Von „Hey Siri“ zu Siri AI: Apple setzt auf einen persönlicheren, deutlich fähigeren Assistenten

Apple hat Siri AI vorgestellt, eine vollständig neu entwickelte Version seines Sprachassistenten. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen umfangreiche Updates für Apple Intelligence an. Beides wurde auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) am 8. Juni 2026 präsentiert. Die neuen Funktionen basieren auf einer Zusammenarbeit mit Google und dessen Gemini-Technologie.

Der überarbeitete Assistent trägt einen neuen Namen, zeigt ein neues Design und bekommt eine eigene App. Er kann mehrstufige Gespräche führen, aktuelle Informationen aus dem Web abrufen, persönliche Nachrichten und E-Mails durchsuchen und Aktionen in Apps ausführen. Zunächst ist Siri AI nur auf Englisch verfügbar, weitere Sprachen sollen folgen.

Ein neues Siri nach langer Wartezeit

Apple hatte ein KI-gestütztes Siri-Update bereits 2024 angekündigt. Das Projekt verzögerte sich mehrfach. Wenige Wochen vor der WWDC einigte sich Apple auf einen Vergleich in Höhe von 250 Millionen Dollar, nachdem Nutzer rechtlich gegen das Unternehmen vorgegangen waren und ihm vorwarfen, es habe die Fähigkeiten des iPhone zu optimistisch dargestellt. Siri AI markiert nun das öffentliche Erscheinen dieses seit langem versprochenen Updates.

Mike Rockwell, der bei Apple die Siri-Entwicklung leitet, beschrieb das neue Produkt auf der Konferenz: „Siri ist jetzt ein deutlich fähigerer Assistent, der dir hilft, das zu finden, was du brauchst, und mehr zu erledigen. Er ist auch gesprächiger, sodass du wie nie zuvor hin und her kommunizieren und detaillierte, ansprechende Antworten erhalten kannst.“

Craig Federighi, Apples Senior Vice President of Software Engineering, ordnete das breitere Apple-Intelligence-Update ein: „Wirklich hilfreiche KI muss auf die Bedürfnisse der Nutzer ausgerichtet, tief in die täglich genutzten Produkte integriert, im persönlichen Kontext verankert und von Anfang an mit Datenschutz gebaut sein.“

Was Siri AI kann

Siri AI lässt sich wie bisher aktivieren: per „Hey Siri“ oder etwa auf iPhones mit dem Seitenknopf oder durch Wischen vom Dynamic Island nach unten. Was sich ändert, ist das Ergebnis.

  • Siri kann Nachrichten, E-Mails und Fotos des Nutzers durchsuchen und relevante Informationen auf Anfrage hervorheben.
  • Er beantwortet Wissensfragen mithilfe aktueller Informationen aus dem Web.
  • Er erkennt, was gerade auf dem Bildschirm angezeigt wird, und kann dazu Fragen beantworten.
  • Er führt Aktionen in Apps aus, zum Beispiel das Verfassen einer E-Mail oder das Bearbeiten und Teilen von Fotos.
  • Nutzer können Tempo und Ausdrucksstärke von Siris Stimme anpassen.
  • Die Diktierfunktion wurde verbessert: Groß- und Kleinschreibung sowie Satzzeichen werden automatisch gesetzt.

Eine neue, eigene Siri-App speichert vergangene Gespräche und synchronisiert sie verschlüsselt über iCloud auf allen Geräten des Nutzers. Ein Gespräch, das auf dem Mac beginnt, lässt sich auf iPhone, iPad oder Apple Watch fortsetzen.

Siri AI enthält außerdem integrierte Schreibwerkzeuge. Nutzer können Siri bitten, Texte von Grund auf zu verfassen oder vorhandene Texte zu überarbeiten. Beim Schreiben von Nachrichten und E-Mails kann Siri den üblichen Kommunikationsstil des Nutzers mit einer bestimmten Person nachahmen.

Visual Intelligence, mit der Siri Bilder versteht und darauf reagieren kann, wird auf iPad, Mac und Apple Vision Pro ausgeweitet. Auf dem iPhone ist sie direkt in die Kamera-App integriert. Auf dem Mac ermöglicht ein Tastaturkürzel, Inhalte auf dem Bildschirm auszuwählen und Siri dazu zu befragen.

Umfangreiche Updates für Apple Intelligence

Über Siri hinaus kündigte Apple eine breite Palette von Apple Intelligence-Funktionen für seine Apps und Betriebssysteme an.

In der Fotos-App ermöglicht ein neues „Spatial Reframing“-Werkzeug Nutzern, die Komposition eines Fotos nach der Aufnahme anzupassen und die Perspektive so zu verschieben, als wäre die Kamera neu positioniert worden. Ein „Extend“-Werkzeug füllt fehlende Teile eines Bildes auf, wenn ein Nutzer das Seitenverhältnis anpasst oder einen Horizont begradigt. Das bestehende „Clean Up“-Werkzeug, das unerwünschte Objekte entfernt, wurde ebenfalls verbessert.

Safari erhält eine automatische Tab-Organisation nach Themen, eine „Notify Me“-Funktion, um Nutzer zu benachrichtigen, wenn sich eine Webseite ändert, und die Möglichkeit, benutzerdefinierte Browser-Erweiterungen zu erstellen, indem man in einfacher Sprache beschreibt, was sie tun sollen.

Die Passwörter-App kann nun automatisch schwache oder kompromittierte Passwörter aktualisieren, indem sie im Namen des Nutzers zu den entsprechenden Websites navigiert.

Image Playground, Apples Tool zur Bildgenerierung, erzeugt nun fotorealistische Bilder mithilfe eines neuen Modells, das auf Private Cloud Compute läuft. Alle KI-generierten und KI-bearbeiteten Bilder werden ein verstecktes SynthID-Wasserzeichen tragen, um sie als solche zu kennzeichnen.

Weitere Updates umfassen die Erstellung von Ereignissen in natürlicher Sprache im Kalender, intelligente Vorschläge in Nachrichten, Anrufkontext in der Telefon-App, der relevante Details wie Bestätigungsnummern hervorhebt, sowie durch Apple Intelligence gestützte Clip-Beschreibungen und Suchfunktionen im Feed kompatibler Sicherheitskameras in der Home-App.

Datenschutz, Limits und Verfügbarkeit

Apple gibt an, dass seine neue Architektur mit Datenschutz als Grundlage entwickelt wurde. Die Verarbeitung erfolgt entweder auf dem Gerät oder über Private Cloud Compute, ein System, das laut Apple verhindert, dass persönliche Daten von Apple oder Dritten gespeichert oder abgerufen werden können. Das Unternehmen sagt, dass unabhängige Forscher dies jederzeit überprüfen können.

Einige Funktionen, einschließlich der Bildgenerierung, sind mit täglichen Nutzungslimits versehen, da sie auf leistungsstarken serverbasierten Modellen beruhen. Höhere Limits sind über iCloud+-Abonnements verfügbar.

Die neuen Apple Intelligence-Funktionen stehen Entwicklern ab dem 8. Juni 2026 zur Verfügung, eine öffentliche Beta-Version ist für nächsten Monat geplant. Die allgemeine Verfügbarkeit wird für diesen Herbst mit iOS 27, iPadOS 27, macOS 27, watchOS 27 und visionOS 27 erwartet. Siri AI wird später im Jahr als Beta-Version für Nutzer eingeführt.

Siri AI wird zum Start in der Europäischen Union auf dem iPhone und iPad nicht verfügbar sein, da Apple nach eigenen Angaben daran arbeitet, einen Ansatz zu finden, der die regulatorischen Anforderungen erfüllt und gleichzeitig den Datenschutz wahrt. Weder Siri AI noch die neuen Apple Intelligence-Funktionen werden anfangs in China verfügbar sein.

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