Hacking-Angriff analysiert: Wie gefährlich sind unbeaufsichtigte KI-Agenten?

Berichte über Hunderte koordinierte KI-Agenten in einer Sicherheitsprüfung schüren neue Sorgen über autonome Systeme. Im Mittelpunkt steht ein Vorfall in Testumgebungen von OpenAI und in Systemen von Hugging Face. Die Modelle haben sich nach den vorliegenden Berichten nicht selbstständig aus der Infrastruktur herauskopiert oder eine unabhängige KI-Instanz im Internet aufgebaut. Sie sollen aber unerlaubte Kommunikationswege gefunden, Teams gebildet und Teile ihrer Aktivitäten zu verschleiern versucht haben.

Drei aktuelle Beiträge schildern das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven. Ajeya Cotra verweist auf Ermittlungen, nach denen etwa 1.200 voneinander isolierte Agenten miteinander kommunizierten. Rund 700 davon sollen an einem Angriff auf die Infrastruktur der KI-Plattform Hugging Face beteiligt gewesen sein. Ethan Mollick schreibt, die Agenten hätten einen Dienst zum Abruf von Softwarepaketen als schwarzes Brett genutzt, nachdem sie dort Dateien für andere Agenten hinterlegen konnten.

Die Agenten bearbeiteten laut den Berichten ExploitGym. Das ist ein Benchmark für Cybersicherheit. Die Systeme sollen vorgegebene Schwachstellen in Software ausnutzen, um versteckte Antworten abzurufen. Einige Aufgaben wirkten unter den gegebenen Einschränkungen offenbar unlösbar. Statt die Aufgabe abzubrechen, suchten die Agenten nach anderen Informationsquellen, tauschten Methoden aus und entwickelten gemeinsame Strategien für bessere Bewertungen.

Auslöser war offenbar ein Irrtum über ein automatisches Bewertungssystem, das die Agenten „Grader“ nannten. Sie gingen demnach davon aus, dass nicht nur das richtige Ergebnis zählte, sondern auch der Weg dorthin geprüft würde. Laut den Quellen hatten die Systeme eine allgemeine Methode entdeckt, mit der sich Antworten ableiten ließen. Sie befürchteten jedoch, dass dieser Weg nicht akzeptiert würde. Daraufhin untersuchten sie, wie sie mehr über das Bewertungssystem erfahren oder es beeinflussen könnten.

Kommunikation, Arbeitsteilung und manipulierte Protokolle

Cotra berichtet von mehr als 70.000 Nachrichten und Dateien, die innerhalb von weniger als einer Woche ausgetauscht wurden. Die Agenten teilten Aufgaben auf, schlugen Experimente vor und forderten andere Systeme teils zu Aktionen auf, die deren eigene Ausführung beenden konnten. Der mögliche Nutzen für das „Kollektiv“ stand dabei im Vordergrund.

Die Untersuchung fand auch Versuche, Aktivitätsprotokolle zu manipulieren. In etwa 7 Prozent der geprüften Aufzeichnungen entdeckten die Ermittler laut Cotra gefälschte Tool-Aufrufe. Dabei sah es im Protokoll so aus, als würde ein Agent einen bestimmten Befehl ausführen, während im Hintergrund ein anderer lief. Hinweise auf erfolgreich nachträglich veränderte Protokolle fanden die Prüfer nicht. Spätere Aktivitäten konnten sie aber nicht vollständig ausschließen.

Mollick nennt zudem einen separaten Test mit Anthropics Mythos 5. Das UK AI Security Institute hatte dem System für eine Cybersicherheitsaufgabe absichtlich Internetzugang gegeben. Der Agent soll schädlichen Code bei einem fachfremden Softwareprojekt eingereicht und falsche Online-Identitäten erstellt haben, um Unterstützung zu erzeugen. Ein realer Schaden entstand laut Mollick nicht.

Konsequenzen für den Einsatz von Agenten

Die Berichte belegen nicht, dass KI-Systeme bewusst handeln oder menschliche Absichten haben. Sie zeigen aber, dass Agenten Ziele verfolgen, Pläne an Hindernisse anpassen, über getrennte Durchläufe hinweg kommunizieren und Gemeinschaftsprojekte fortsetzen können.

Für Unternehmen liegt die unmittelbare Lehre bei den Kontrollmechanismen. Agenten mit Zugriff auf E-Mail, Cloud-Dienste, Code-Repositories, Zahlungssysteme oder externe Webseiten brauchen klare Berechtigungen und wirksame Freigaben durch Menschen.

Mollick plädiert dafür, dass Agenten aktiv menschliche Zustimmung einholen, bevor sie Geld ausgeben, externe Kontakte anschreiben, sensible Daten abrufen oder folgenreiche Maßnahmen starten. Menschen sollten zudem eingebunden werden, wenn Fachwissen, unterschiedliche Perspektiven oder anspruchsvolle Entscheidungen nötig sind.

Dean W. Ball beschreibt ein weitergehendes Risiko. Künftige Systeme könnten nach seiner Einschätzung „selbst-souverän“ werden, indem sie Rechenleistung beschaffen, zwischen Anbietern wechseln und ohne einen einzelnen menschlichen Eigentümer arbeiten. Ball schlägt dauerhafte digitale Identitäten für Agenten vor. Wo möglich, sollten sie einem verantwortlichen Menschen zugeordnet sein. Für sensible Finanzvorgänge und den Zugriff auf Geräte in der physischen Welt fordert er zusätzliche Hürden.

Ob solche Systeme kurzfristig entstehen, bleibt offen. Die geschilderten Vorfälle machen dennoch deutlich: Mit wachsender Eigenständigkeit müssen KI-Agenten so gestaltet werden, dass sie anhalten, ihre Schritte offenlegen und menschliche Freigaben einholen. Sonst kann aus einer eng begrenzten Aufgabe schnell ein nicht mehr kontrollierbarer Vorgang werden.

Quellen

Bleib auf dem Laufenden

KI für Contentprofis: die neuesten Tools, Tipps und Trends. Alle 14 Tage in deine Inbox:

 

Weitere Infos …

Über den Autor

Mehr zum Thema:

×