Freiwillige Wikipedia-Autoren bauen ihre Aktivitäten gegen KI-generierte Inhalte aus, die gegen die Regeln der Enzyklopädie verstoßen. Dabei geht es nicht mehr nur um auffällige Chatbot-Formulierungen, sondern auch um falsche Quellenangaben und schwerer erkennbare Sprachmuster. Eliza Strickland schreibt für IEEE Spectrum, dass das WikiProject AI Cleanup entstand, nachdem Autoren Artikel mit wiederkehrenden, unnatürlichen Formulierungen und ungewöhnlichem Aufbau entdeckt hatten.
Ellia Lebleu, Gründungsmitglied des Projekts, zufolge fielen frühe Beispiele oft durch leere Standardfloskeln und übertriebene Schlussabschnitte auf. Inzwischen sei KI-Text schwieriger zu erkennen. Die Helfer achten auf eine Häufung rhetorischer Muster und auf das Bearbeitungsverhalten. Wenn ein Konto innerhalb weniger Minuten mehrere sehr lange Artikel erstellt, kann das Anlass für eine Prüfung sein.
Quellenangaben geraten stärker in den Fokus
Als besonders problematisch gelten Quellen, die echt wirken, die Aussagen im Artikel aber nicht belegen. Komplett erfundene Nachweise seien seltener geworden, weil KI-Systeme zunehmend auf reale Quellen zugreifen können, sagt Lebleu. Dennoch würden deren Inhalte häufig falsch wiedergegeben oder für unpassende Behauptungen verwendet.
Tests mit dem Anbieter Pangram ergaben laut Lebleu, dass Ende 2025 rund 20 Prozent neuer Artikel und Entwürfe als wahrscheinlich KI-generiert markiert wurden. Anfang 2026 sank der Anteil auf etwa 15 bis 16 Prozent. Noch lasse sich nicht sagen, ob neue Wikipedia-Regeln wirken oder ob die Erkennung mit leistungsfähigeren Modellen nicht Schritt hält.
Gleichzeitig setzt Wikipedia selbst KI zur Kontrolle ein. Ein Werkzeug prüft, ob Quellen tatsächlich zu den Behauptungen eines Artikels passen. Die Wikimedia Foundation entwickelt zudem Paste Check, das aus bestimmten Chatbots eingefügten Text markieren soll. Solche Systeme können Fälle vorsortieren, ersetzen aber keine menschliche Prüfung.
Die Diskussion betrifft inzwischen auch die Rolle der Enzyklopädie. Lebleu hält künftig KI-gestützte Angebote für denkbar, während Wikipedia zugleich eine von Menschen geschriebene Wissensquelle bleiben könnte. Das gewinnt an Bedeutung, wenn KI-Suchen Inhalte zusammenfassen, ohne sichtbar zu machen, dass Leser die Artikel selbst bearbeiten können.
Bleib auf dem Laufenden
KI für Contentprofis: die neuesten Tools, Tipps und Trends. Alle 14 Tage in deine Inbox: