Meinung: Googles KI-Suche gefährdet den Zugang zu öffentlichem Wissen

KI-Zusammenfassungen in der Google-Suche verschärfen die Sorge, dass verlässliche Informationen im Netz schwerer auffindbar werden. Vass Bednar schreibt in The Walrus, dass fehlerhafte KI-Antworten, gelöschte Webseiten und unter Druck geratene Archive die Funktion des Internets als öffentliches Gedächtnis gefährden können.

Google stellt mit AI Overviews oft eine automatisch erzeugte Antwort vor die ursprüngliche Quelle. Bednar verweist auf Fälle, in denen die Funktion falsche Zeiten für den Sonnenuntergang nannte. Solche Fehler zeigen, wie alltäglich diese Probleme sein können. Wichtiger ist jedoch, dass Nutzerinnen und Nutzer die Quelle hinter einer Antwort womöglich nicht mehr öffnen und Angaben nicht prüfen oder prüfen können.

Gleichzeitig wird der digitale Bestand selbst lückenhafter. Links funktionieren nicht mehr, technische Fehler löschen Inhalte, und Unternehmen entfernen Archive, wenn sie wirtschaftlich keinen Nutzen mehr sehen. Nach der Einstellung von FiveThirtyEight verschwand demnach ein großer Teil des Bestands der US-Seite. Viele Beiträge in Instagram Stories oder WhatsApp-Statusmeldungen werden zudem nie dauerhaft gesichert.

Digitale Archive geraten unter Druck

Das Internet Archive mit seiner Wayback Machine ist für Recherche, historische Nachweise und die Prüfung früherer Aussagen wichtig. Die gemeinnützige Organisation kämpft jedoch mit Cyberangriffen, wachsenden Speicheranforderungen und teuren Gerichtsverfahren. Einige Medienhäuser beschränken inzwischen den Zugriff der Archiv-Crawler. Sie befürchten, archivierte Inhalte könnten KI-Unternehmen indirekt Zugang zu urheberrechtlich geschütztem Material geben.

Auch Wikipedia steht vor einem Finanzierungs- und Aufmerksamkeitsproblem. KI-Systeme übernehmen Inhalte der Enzyklopädie in ihre Antworten, ohne unbedingt Besucher auf Wikipedia weiterzuleiten. Dadurch können Spenden und Beteiligung sinken.

Bednar fordert, dass Staaten Suche, Archive und Datenspeicherung als öffentliche Infrastruktur behandeln. Sie verweist auf europäische Initiativen für eigene oder quelloffene digitale Dienste. Dazu gehört der Einsatz der französischen Suchmaschine Qwant in Teilen der französischen Verwaltung. Ein deutsches Urteil, das Google für falsche Aussagen einer KI-Übersicht haftbar macht, könnte den Druck auf Plattformen zusätzlich erhöhen.

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