Im KI-Zeitalter wird Unvollkommenheit zum Qualitätsmerkmal

Generative KI verändert nicht nur die Produktion von Werken. Sie könnte auch beeinflussen, welchen Wert Publikum und Kunden menschlicher Arbeit beimessen. Wenn sich KI-Musik, Texte, Bilder und Videos rasant der Perfektion nähern, gewinnt die erkennbare menschliche Urheberschaft möglicherweise an Bedeutung.

Ros Atkins schreibt für BBC News, dass vielen Menschen der Ursprung eines Werks wichtig bleibt, auch wenn sie KI-Inhalte nicht zuverlässig erkennen können. Nach Angaben der Musikplattform Deezer sind 44 Prozent der dort hochgeladenen Titel KI-generiert. In einer Untersuchung konnten 97 Prozent der Befragten KI-Musik und von Menschen produzierte Musik nicht sicher unterscheiden. Mehr als die Hälfte sagte dennoch, diese Frage sei ihnen wichtig.

Der Ökonom Daniel Susskind vom King’s College London sieht darin einen besonderen Wert kreativer Arbeit. Bei Kunst zähle nicht nur das Ergebnis. Menschen bewunderten auch die Leistung eines anderen Menschen, der ein Werk mit eigenen Erfahrungen, Ideen und Fähigkeiten geschaffen habe. Als Beispiel nennt er Schach: Computerprogramme sind Spitzenspielern überlegen, doch das Interesse an menschlichen Wettkämpfen ist nicht verschwunden.

Neue Bedeutung für persönliche Handschrift

Der Journalist Kyle Chayka beobachtet, dass KI-Texte oft als austauschbar und zu glatt wahrgenommen werden. Persönliche, eigenwillige oder bewusst nicht perfekte Arbeiten könnten sich deshalb stärker abheben. Das gilt auch für Illustration und Grafikdesign, wo eine unverwechselbare Bildsprache wichtiger werden kann.

Auf einzelnen Büchern, Filmen und Alben finden sich bereits Hinweise wie „AI-free“. Manche arbeiten bereits an einem einheitlichen Kennzeichen für menschlich geschaffene Inhalte.

Gleichzeitig prägen Empfehlungsalgorithmen immer stärker, welche Werke Menschen entdecken. Chayka warnt, dass sie leicht konsumierbare und vertraute Inhalte bevorzugen könnten. Wenn KI-Inhalte diese Feeds in großer Zahl füllen, wird entscheidend, ob Nutzer gezielt nach menschlichen Perspektiven suchen.

Live-Erlebnisse könnten dabei besonders wichtig bleiben. Alex Mahon, Geschäftsführerin von Superstruct Entertainment, sagt, viele Menschen suchten gemeinsame und unvorhersehbare Momente, die digitale Angebote nicht vollständig ersetzen können.

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