Die Musikindustrie steht vor einem existenziellen Dilemma. KI-generierte Songs überschwemmen Streaming-Plattformen. Gleichzeitig unterzeichnen große Labels Lizenzverträge. Künstler und Plattformen ringen um akzeptable Grenzen. Anna Nicolaou und Cristina Criddle berichten für die Financial Times.
Ein Vorfall in Schweden zeigt die Spannung. Ein Folk-Pop-Song von „Jacub“ erreichte die Spotify-Charts. Er wurde entfernt, als Verantwortliche feststellten, dass er hauptsächlich KI-generiert war. Der Widerspruch offenbart tiefe Unsicherheit in der Branche. Gleichzeitig schließen Universal Music, Warner Music und Sony Music Verträge mit Firmen von Nvidia bis zu kleinen Startups.
„Wir hatten schon Sorgen, aber noch nie so existenzielle wie diese,“ sagt Bill Zysblat. Er ist Manager von Lady Gaga und den Rolling Stones.
Täglich werden über 60.000 KI-generierte Tracks zu Deezer hinzugefügt. Das gibt der Streaming-Dienst an. Manche KI-Künstler gewinnen deutlich an Reichweite. Sienna Rose hat 4,1 Millionen monatliche Spotify-Hörer. Deezers Erkennungstools identifizieren die meisten ihrer Alben als KI-generiert.
Die Plattformen reagieren unterschiedlich. Bandcamp verbot KI-Musik komplett. Spotify kennzeichnet nicht, ob Künstler menschlich oder KI sind. Deezer markiert KI-generierte Inhalte und schließt sie von Empfehlungen aus.
Große Labels präsentieren ihre Lizenzverträge als Schutzmaßnahmen. Sie wollen Einnahmequellen schaffen, statt illegale Nutzung zuzulassen. Die Verträge enthalten strikte Grenzen, Attributionspflichten und Strafen für frühere Nutzung. Produkte sollen in wenigen Monaten starten. Fans bekommen Tools zum Remixen von Musik und für personalisierte Hörerlebnisse.
Die Begeisterung von Künstlern bleibt begrenzt. „Etablierte Musiker sorgen sich nicht um die Bedrohung für sie selbst,“ sagt Zysblat. „Die jüngeren Künstler sind sehr besorgt. Sie teilen sich Regalfläche mit KI-Künstlern auf Spotify.“
Forschung zeigt: 97 Prozent der Hörer können KI-Songs nicht zuverlässig von menschlich gemachter Musik unterscheiden.
