Moonshot AI veröffentlicht Kimi K3, das bislang größte Open-Source-KI-Modell

Das Pekinger Start-up Moonshot AI hat Kimi K3 veröffentlicht. Das Unternehmen bezeichnet das Modell in einem offiziellen Blogbeitrag als das weltweit erste offene KI-Modell der 3-Billionen-Parameter-Klasse. Kimi K3 hat 2,8 Billionen Parameter. Es basiert auf zwei neuen Architekturbausteinen: Kimi Delta Attention und Attention Residuals. Das Modell verfügt zudem über ein Kontextfenster von einer Million Tokens und kann Bilder nativ verarbeiten.

Laut Moonshots eigenen Benchmark-Daten liegt Kimi K3 noch hinter den stärksten proprietären Systemen, Claude Fable 5 und GPT 5.6 Sol. Trotzdem erreicht es bei Coding, logischem Denken und agentischen Aufgaben Spitzenwerte. Michael Nuñez berichtet für VentureBeat, dass unabhängige Auswertungen der Analysefirma Artificial Analysis dieses Bild weitgehend bestätigen. Beim GDPval-AA-v2-Test für reale berufliche Aufgaben landete K3 auf Platz drei. Beim AA-Briefcase-Test für langfristige Wissensarbeit erreichte es Platz zwei. In beiden Fällen lag nur Fable 5 davor.

Beim BrowseComp-Test, der schwierige, lang andauernde Web-Recherchen misst, erzielte K3 einen Wert von 91,2 Punkten. Das ist der höchste Wert aller getesteten Modelle. Erreicht wurde dieser Wert mit nur einem einzelnen Agenten und ohne Kontextkomprimierung, trotz des riesigen Kontextfensters.

Chipdesign und Forschung als Showcases

Moonshot AI zeigte mehrere Fallstudien, um die Fähigkeiten des Modells bei langfristigen, eigenständigen Aufgaben zu demonstrieren. In einem Beispiel entwarf K3 über 48 Stunden hinweg vollständig autonom einen Computerchip. Der Chip soll eine verkleinerte Version des Modells selbst betreiben. K3 nutzte dafür ausschließlich Open-Source-Werkzeuge. Der fertige Chip misst nur 4 Quadratmillimeter und erreicht in der Simulation über 8.700 Tokens pro Sekunde.

In einem weiteren Beispiel reproduzierte das Modell komplexe astrophysikalische Gleichungen, die sogenannten I-Love-Q-Relationen. Dafür prüfte K3 mehr als 20 Forschungsarbeiten und schrieb über 3.000 Zeilen Code, und das in rund zwei Stunden. Laut Moonshot benötigt ein Forscher für diese Aufgabe normalerweise ein bis zwei Wochen.

Ein Comeback nach dem Rückschlag durch DeepSeek

Die Veröffentlichung markiert auch eine Trendwende für Moonshot AI. Nuñez schreibt, dass das Unternehmen nach dem Start von DeepSeeks R1-Modell Anfang 2025 deutlich an Marktanteilen verlor. Bei den chinesischen Chatbot-Nutzerzahlen rutschte Kimi vom dritten auf den siebten Platz ab. Die Strategie, verstärkt auf Open-Source-Modelle zu setzen, begann im vergangenen Juli mit Kimi K2 und scheint sich nun auszuzahlen. Eine eigene Vergleichsgrafik von Moonshot zeigt K3 mit großem Abstand vor anderen offenen Modellen, etwa DeepSeeks V4 Pro mit rund 1,6 Billionen Parametern.

Die Veröffentlichung eines derart großen Modells als Open Source hat auch strategisches Gewicht. Nuñez weist darauf hin, dass chinesische Unternehmen offene Modelle zunehmend nutzen, um weltweit Entwickler-Communitys aufzubauen und um westlichen Beschränkungen beim Zugang zu fortschrittlichen Chips entgegenzuwirken.

Verfügbarkeit und Preise

Kimi K3 lässt sich bereits über die Kimi-App, die Desktop-Anwendung Kimi Work, den Terminal-Agenten Kimi Code sowie die Kimi API nutzen. Dort kostet die Million Input-Tokens 3 US-Dollar, die Million Output-Tokens 15 US-Dollar. Zwischengespeicherte Anfragen kosten nur 0,30 US-Dollar pro Million Tokens. Die vollständigen Modellgewichte sollen laut Moonshots eigener Ankündigung am 27. Juli folgen.

Quellen

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