Ein Artikel mit dem Titel „The Ghost Paper That Ate Alabama“ verbreitete sich rasant in sozialen Netzwerken. Er behauptete, ein rechtes Medienunternehmen habe 47 Wochenzeitungen in Alabama aufgekauft, Redakteure entlassen und durch KI-generierte Inhalte ersetzt. Joshua Benton berichtet für Nieman Journalism Lab, dass die gesamte Geschichte erfunden war.
Der Artikel erschien auf der Seite The Editorial. Benton fand keine einzige der angeblich geschlossenen Zeitungen, die tatsächlich eingestellt wurde. Die genannte Käuferfirma existiert nicht. Zitierte Personen wie eine „Dr. Thomasina Reed“ ließen sich nirgendwo nachweisen. Nachdem lokale Redakteure auf Bentons Anfrage bestätigten, dass ihre Blätter weiterhin erscheinen, löschte The Editorial den Artikel. Als Begründung nannte die Seite „Zweifel an der Faktenprüfung“.
Ein wiederkehrendes Muster
Der Fall Alabama war kein Einzelfall. The Editorial veröffentlichte ähnliche erfundene Nachrufe auf Zeitungen in Texas, Tennessee, Georgia, Wisconsin und Illinois. Alle trugen den Namen „Elena Marchetti“ als Autorin. Ihre Referenzen ließen sich ebenso wenig belegen wie die der anderen aufgeführten Autoren der Seite.
Bentons Recherche deckte zudem ein zweites Muster auf: Dutzende geopolitische Artikel schwächen Taiwans Position und betonen zugleich Chinas Stärke. Fast alle beginnen mit nahezu identischen, filmreifen KI-Einstiegsszenen. Wer hinter der Seite steckt, bleibt unklar. Die Domain ist verschleiert, eine einzige nachvollziehbare Spur führt zu einem finnischen Technologieunternehmen. Ob Profitinteresse oder gezielte Einflussnahme dahintersteckt, kann Benton nicht abschließend klären. Er vermutet jedoch eine mögliche Verbindung zu chinesischen Interessen.
Der Fall zeigt, wie leicht generative KI überzeugenden Fake-Journalismus erzeugen kann, selbst in einer so detailreichen Nische wie der Lokalzeitungsberichterstattung.
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