KI-Buchfabriken überschwemmen Amazon mit Biografie-Slop

Auf Amazon erscheinen zunehmend Bücher, die mit KI erstellt wurden, ohne dass Käufer deren Entstehung klar erkennen können. Kashmir Hill berichtet in der New York Times über eine KI-generierte Biografie über sie, die ohne ihr Wissen und ohne ihre Mitwirkung bei Amazon verkauft wurde.

Das 90 Seiten lange Buch trägt den Titel „The Biography of Kashmir Hill“. Es verbindet öffentlich verfügbare Informationen mit erfundenen Szenen aus Hills Privatleben. So beschreibt es eine aufwendige Kaffeezubereitung, die nach Hills Angaben tatsächlich ihr Mann übernimmt. Auch Details über ihre Beziehung seien frei erfunden.

Als Autor wird John Crane Miller genannt. Sein Profil bezeichnet ihn als erfahrenen Biografen, das Porträt ist jedoch ein häufig verwendetes Stockfoto. Innerhalb einer Woche veröffentlichte Miller zehn Biografien über bekannte Journalistinnen und Journalisten. Nachdem Hill eine Rezension mit der Bitte um Kontakt hinterlassen hatte, verschwand ihr Buch von Amazon. Auch die anderen Titel von Miller waren nicht mehr verfügbar.

Mehr Titel, weniger Transparenz

Der Fall steht für ein größeres Problem im Selbstverlagsmarkt. Zwei Professoren für Betriebswirtschaft analysierten Daten zu zehn Millionen Büchern auf Amazon. Nach ihrer Auswertung stieg die Zahl monatlich veröffentlichter E Books seit dem Start von ChatGPT von etwa 100.000 auf mehr als 300.000. Amazon bestreitet, dass die eigenen Daten ein Wachstum in dieser Größenordnung zeigen, veröffentlicht aber keine Zahlen.

Besonders stark betroffen sei Sachliteratur. Die Forscher stellten fest, dass KI-unterstützte Bücher im Durchschnitt schlechter bewertet werden als Bücher menschlicher Autorinnen und Autoren. Aus wirtschaftlicher Sicht werteten sie das zusätzliche Angebot dennoch als Markterweiterung.

Amazon erlaubt KI-erzeugte Bücher grundsätzlich. Josh Pflug, Sprecher des Unternehmens, sagte der New York Times, Amazon investiere erhebliche Ressourcen in die Durchsetzung seiner Richtlinien. Titel würden entfernt, wenn sie diese Regeln verletzten. Dazu könne auch eine schlechte Kundenerfahrung zählen.

Für Käufer bleibt jedoch meist unsichtbar, ob KI zum Einsatz kam. Beim Hochladen eines Buchs fragt Amazon Verlage und Selbstverleger nach dem Einsatz von KI-Werkzeugen. Diese Angaben erscheinen aber nicht auf den Verkaufsseiten.

Automatisiertes Publizieren als Nebeneinkommen

Hill sprach auch mit Bill Johns, einem pensionierten IT-Sicherheitsberater aus Maryland. Er sagt, er habe seit 2024 mithilfe von ChatGPT 445 Bücher erstellt. Das System hilft ihm bei Gliederung, Kapiteln und Überarbeitungen. Für die Umschläge nutzt er ebenfalls KI. Anschließend lädt er die Dateien für Kindle und den Print on Demand Dienst von Amazon hoch.

Johns erklärt, er lese die Texte während ihrer Entstehung und greife bei Bedarf ein. Viele seiner Bücher verkauften sich nie. Dennoch setze er einige Hundert Exemplare pro Monat ab und verdiene nach eigenen Angaben etwa sieben Dollar pro Buch. In einer Weihnachtssaison habe er 821 Bücher verkauft und fast 6.000 Dollar Gewinn erzielt.

Die Authors Guild fordert Amazon seit 2023 dazu auf, KI erzeugte Bücher zu kennzeichnen. Ihre Geschäftsführerin Mary Rasenberger sagte der Times, Leser müssten nachvollziehen können, wie ein Buch entstanden sei. Amazon befürchte offenbar, dass eine Kennzeichnung ehrliche Anbieter benachteilige, während andere ihre KI Nutzung verschweigen könnten.

Kritiker bezeichnen massenhaft erzeugte, fehlerhafte Inhalte als KI Slop. Einige Wissenschaftler halten dagegen, dass KI Menschen kreative Möglichkeiten eröffnen kann. Die von Hill zitierten Rezensionen zu Johns’ Büchern fielen jedoch oft deutlich negativ aus. Käufer bemängelten Fehler, Wiederholungen und schwache Recherche.

Der Vorgang zeigt die zentrale Grenze automatisierter Buchproduktion. KI kann Texte schnell und günstig erzeugen. Sie ersetzt aber keine Faktenprüfung, keine eigene Recherche, keine redaktionelle Verantwortung und keine transparente Information für Leser.

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