Bericht: Amazon scannt und zerstört gebrauchte und seltene Bücher für KI

Amazon kauft nach Recherchen offenbar große Mengen gebrauchter und seltener Bücher, trennt ihre Buchrücken ab und digitalisiert die Seiten für die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Ein von 404 Media in einer Buchsendung platzierter Tracker führte zu einem Amazon-Standort in Las Vegas. Beschäftigte beschreiben dort eine Abteilung, die sich auf das Scannen von Büchern konzentriert.

Die Sendung aus einer Sammelbestellung über den Marktplatz Biblio gelangte über Kalifornien, Wisconsin und Colorado zu Amazons Lager LAS8 in Las Vegas. Nach Darstellung von 404 Media arbeitet dort eine Einheit mit dem Kürzel VGT3. Sie nimmt Bücher entgegen, erfasst Barcodes und bereitet sie für die Digitalisierung vor. Beiträge von Beschäftigten in Amazon-Foren deuten darauf hin, dass einige Mitarbeitende Buchrücken abtrennen, während andere ISBNs scannen.

Amazon erklärte, das Unternehmen kaufe Bücher über kommerzielle Vertriebswege, um Produkte und Dienste weiterzuentwickeln. Fragen zur Zerstörung der Bücher, zu weiteren Standorten und zur Nutzung der Texte für KI-Modelle beantwortete Amazon dem Bericht zufolge nicht.

Ungewöhnliche Bestellungen im Antiquariatshandel

Unabhängige Buchhändler berichten seit Monaten von sehr großen Bestellungen mit scheinbar zufälliger Auswahl. Die BBC beschreibt Lieferungen, die von lateinischen Fachtexten bis zu Unterhaltungsromanen reichen und an weit entfernte Lager gehen. Händler vermuten, dass KI-Unternehmen gezielt Texte suchen, die noch nicht im Internet verfügbar sind.

Bekannt wurde eine vergleichbare Methode durch Unterlagen aus einem Rechtsstreit gegen Anthropic. Das Projekt trug intern den Namen „Project Panama“. Dabei sollten gekaufte Bücher durch das Abtrennen des Buchrückens schnell gescannt werden. Ein US-Gericht bewertete das Training von KI mit rechtmäßig erworbenen Büchern in diesem Fall als zulässige Nutzung.

Für Händler bedeuten die Bestellungen zusätzliche Einnahmen, vor allem bei lange unverkäuflichen Titeln. Zugleich wächst die Sorge um seltene Ausgaben. Ihr Wert kann historisch, wissenschaftlich oder kulturell sein, auch wenn sie nur wenige Käufer finden.

Quellen

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