Tess.Design war ein KI-Bildmarktplatz, auf dem Künstlerinnen und Künstler 50 Prozent der Einnahmen erhielten, wenn ihr Stil zur Bildgenerierung genutzt wurde. Julia Enthoven erklärt, wie die Plattform 20 Monate lang im Betrieb war, bevor sie im Januar 2026 eingestellt werden musste
Künstler konnten bei Tess.Design ihre Werke einreichen, um damit ein spezialisiertes KI-Modell zu trainieren. Dieses Modell wurde anschließend auf einem öffentlichen Marktplatz angeboten. Abonnenten zahlten für den Zugang, und Künstler erhielten die Hälfte der daraus erzielten Einnahmen.
Die Plattform erwirtschaftete insgesamt 12.172 US-Dollar. Kapwing, das Unternehmen dahinter, hatte vorab 18.000 Dollar für Honorarvorschüsse ausgezahlt. Daraus ergab sich ein Verlust von rund 7.000 Dollar und das noch ohne Personalkosten.

Als schwierig stellte sich heraus, Künstler zu gewinnen. Kapwing kontaktierte 325 Personen. Nur 6,5 Prozent stimmten einer Teilnahme zu. Viele lehnten aus grundsätzlichen Überzeugungen ab. Andere fürchteten, ihren Ruf durch die Verbindung mit KI zu schädigen oder ihren Stil zu entwerten.
Rechtliche Unsicherheit war ein weiteres Hindernis. Ein großes US-Medienunternehmen erwog eine Vereinbarung, doch die Rechtsabteilung blockierte den Abschluss. Ungeklärte Urheberrechtsklagen machten KI-Lizenzprodukte generell zu riskant.
Enthoven zieht mehrere Schlüsse für Gründerinnen und Gründer. Der Aufbau eines Angebots an Kreativschaffende ist schwieriger als die Nachfrageseite. Künstler legen Wert auf Kontrolle über die Nutzung ihres Stils. Zugleich ändere sich derzeit die Einstellung gegenüber KI, was künftige Versuche erleichtern könnte.
Kapwing hat zentrale Funktionen von Tess in sein Hauptprodukt integriert und erklärt, die Domain Tess.Design verkaufen zu wollen.

