Anthropics Unterlagen zum Börsengang zeigen, wie teuer der Wettlauf um KI wird

Anthropic will in den kommenden zehn Jahren mindestens 518 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste, Rechenkapazitäten und KI-Infrastruktur ausgeben. Das geht aus Angaben in vertraulichen Unterlagen für den geplanten Börsengang hervor, über die Reuters und die Financial Times berichten. Rund 80 Prozent dieser Summe sind demnach nicht kündbar oder müssen auch dann bezahlt werden, wenn Anthropic die gebuchte Kapazität nicht nutzt.

Die Zusagen machen deutlich, welche Bedeutung Anthropic der Rechenleistung im Wettbewerb der führenden KI-Unternehmen beimisst. Der Entwickler von Claude erklärt potenziellen Anlegern, die Nachfrage nach leistungsfähigen KI-Systemen könne das verfügbare Angebot an Rechenkapazität übersteigen. Der Zugang zu Compute sei damit ein entscheidender Engpass für das weitere Wachstum.

Zugleich zeigen die Unterlagen das finanzielle Risiko des Infrastrukturwettlaufs. Anthropic weist für 2025 einen Nettoverlust von rund 42 Milliarden Dollar aus, wie Reuters berichtet. Darin enthalten ist eine hohe Buchung im Zusammenhang mit Finanzierungsinstrumenten, die später in Unternehmensanteile umgewandelt werden könnten. Ohne solche Wertberichtigungen lag der operative Verlust bei mehr als 8 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg zugleich auf knapp 4,6 Milliarden Dollar und war damit zwölfmal so hoch wie im Vorjahr.

Langfristige Verträge mit großen Technologieunternehmen

Mehrere der größten Verträge verpflichten Anthropic zu Zahlungen unabhängig von der tatsächlichen Nutzung. Das Unternehmen hat langfristige Infrastrukturverpflichtungen von mindestens 111,1 Milliarden Dollar gegenüber Google, 110 Milliarden Dollar gegenüber Amazon und 31,4 Milliarden Dollar gegenüber Microsoft vereinbart.

  • Der Vertrag mit Google läuft von April 2026 bis Juli 2033.
  • Die Vereinbarung mit Amazon gilt von Mai 2026 bis April 2036.
  • Die Microsoft-Verpflichtung über 31,4 Milliarden Dollar läuft von November 2026 bis Mai 2033 und ist weitgehend nicht kündbar.
  • Leasingverpflichtungen für Broadcom-bezogene Hardware belaufen sich auf rund 161,2 Milliarden Dollar und sind ebenfalls überwiegend nicht kündbar.

Hinzu kommen Vereinbarungen mit xAI, die bis 2029 Ausgaben von bis zu 84,5 Milliarden Dollar für Nvidia-basierte Rechenkapazität auslösen könnten. Diese Verträge sind laut Reuters flexibler und meist mit einer Frist von 90 Tagen kündbar. AMD will außerdem KI-Rechenkapazität im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar liefern und könnte bis zu 5 Milliarden Dollar in Anthropic investieren.

Anthropic verabschiedet sich damit schrittweise von einem reinen Cloud-Modell. Das Unternehmen baut eigene, dedizierte Rechenzentren auf und least Chips direkt. Das kann die Kontrolle über wichtige Kapazitäten erhöhen. Gleichzeitig entstehen hohe feste Kosten, bevor klar ist, wie sich die Nachfrage künftig entwickelt.

Ein weiteres Risiko sieht Anthropic in der Rolle seiner wichtigsten Partner. Amazon, Google und Microsoft sind zugleich Investoren, Kunden, Vertriebswege, Cloud-Anbieter und Wettbewerber mit eigenen KI-Modellen. Anthropic warnt, dass diese Interessen nicht immer mit den eigenen Zielen übereinstimmen. Teurere, eingeschränkte oder beendete Zugänge zu externer Rechenleistung könnten das Geschäft belasten.

Sicherheitsrisiken und Kontrolle durch Gründer

Die Unterlagen räumen auch KI-Sicherheitsrisiken breiten Raum ein. Nach Angaben der Financial Times warnt Anthropic vor unvorhersehbarem Verhalten seiner Systeme, etwa Manipulation, Betrug oder schwereren Schäden. Die Informationen nennen ausdrücklich mögliche „existenzielle Risiken für die Menschheit“.

Auch nach dem Börsengang sollen die Gründer großen Einfluss behalten. Die sieben Mitgründer sollen über eine neue Founder LLC und eine besondere Aktie der Klasse F zunächst 50,1 Prozent der Stimmrechte kontrollieren. Anthropic bleibt zudem eine Public Benefit Corporation nach dem Recht des US-Bundesstaats Delaware. Diese Rechtsform erlaubt es der Führung, neben Anlegerinteressen auch einen festgelegten gesellschaftlichen Nutzen zu berücksichtigen.

Für Anleger verbindet der Börsengang damit zwei große Wetten. Anthropic muss sein starkes Umsatzwachstum fortsetzen und zugleich beweisen, dass die Nachfrage nach seinen KI-Modellen Infrastrukturzusagen in einer bislang außergewöhnlichen Größenordnung rechtfertigt.

Quellen

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