Anthropic hat in einer Series-H-Finanzierungsrunde 65 Milliarden Dollar eingesammelt. Die Bewertung des Unternehmens liegt nach der Transaktion bei 965 Milliarden Dollar. Damit ist das Unternehmen aus San Francisco nun das am höchsten bewertete KI-Startup weltweit und überholt OpenAI, das zuletzt mit 730 Milliarden Dollar bewertet wurde.
Die Runde wurde von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital angeführt. Weitere bedeutende Investoren sind unter anderem Capital Group, Coatue, GIC, ICONIQ, Blackstone, General Catalyst, Lightspeed Venture Partners und Temasek. Hinzu kommen bereits früher zugesagte Investitionen in Höhe von 15 Milliarden Dollar von großen Technologieunternehmen, darunter 5 Milliarden Dollar von Amazon.
Anthropic wurde 2021 gegründet. Noch vor drei Monaten lag die Bewertung bei 380 Milliarden Dollar. Der neue Wert entspricht fast dem Zweieinhalbfachen davon.
Starkes Umsatzwachstum durch KI-Coding
Der annualisierte Umsatz des Unternehmens hat in diesem Monat die Marke von 47 Milliarden Dollar überschritten. Als Treiber gilt vor allem Claude Code, das KI-Coding-Tool von Anthropic. Seit Anthropic seine Coding-Technologie im November verbessert hat, haben sich laut New York Times hunderte Unternehmen als zahlende Kunden angemeldet.
„Diese Finanzierung hilft uns, die historische Nachfrage zu bedienen, an der Forschungsfront zu bleiben und Claude dorthin zu bringen, wo Arbeit stattfindet“, sagte Krishna Rao, Finanzvorstand von Anthropic.
Zusammen mit der Finanzierungsankündigung stellte Anthropic ein neues Flaggschiff-Modell vor: Claude Opus 4.8. Das Unternehmen Vals AI, das KI-Modelle vergleicht, berichtet, dass Opus 4.8 beim sogenannten Vibecoding zehn Prozent besser abschneidet als sein Vorgänger. Vibecoding bezeichnet die Erstellung von Software durch Anweisungen in normaler Alltagssprache. Auch in Mathematik übertrifft das neue Modell seinen Vorgänger.
Neue Partner und mehr Rechenkapazität
Drei neue strategische Partner sind Teil der Finanzierungsrunde: Micron, Samsung und SK Hynix. Diese Unternehmen stellen Speicher-, Arbeitsspeicher- und Logikchips her, die für den Betrieb großer KI-Systeme unverzichtbar sind.
Anthropic hat seine Rechenkapazitäten zuletzt deutlich ausgebaut. Mit Amazon wurden Vereinbarungen über bis zu fünf Gigawatt neue Kapazität unterzeichnet. Mit Google und Broadcom folgte eine Vereinbarung über fünf Gigawatt an Kapazität für Chips der nächsten Generation. SpaceX stellt Zugang zu GPU-Kapazitäten in den Rechenzentren Colossus 1 und Colossus 2 bereit. Anthropic gibt an, dass Claude das erste Frontier-KI-Modell ist, das auf allen drei großen Cloud-Plattformen verfügbar ist: Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure.
Das frische Kapital soll in KI-Sicherheitsforschung, den Ausbau der Infrastruktur sowie in Produkte und Partnerschaften fließen.
Das öffentliche Profil von Anthropic ist in den vergangenen Monaten stark gewachsen. Das Modell Mythos wurde als besonders leistungsfähig beim Aufspüren von Sicherheitslücken in Software beschrieben. Anthropic soll zudem Papst Leo XIV. bei seiner Papstenzyklika beraten haben, in der er vor den Risiken der KI für die Menschheit warnte. Außerdem geriet das Unternehmen in einen öffentlichen Streit mit dem US-Verteidigungsministerium über den Einsatz von KI im Krieg.
Anthropic, OpenAI und SpaceX befinden sich nun alle im Wettlauf um einen Börsengang. SpaceX hat seinen Börsenprospekt bereits veröffentlicht. OpenAI plant in den kommenden Wochen eine vertrauliche Einreichung. Aus dem Umfeld von Anthropic wurde berichtet, dass das Unternehmen ebenfalls einen Börsengang erwägt, möglicherweise noch in diesem Jahr. Offiziell wollte Anthropic dazu keine Stellung nehmen.
Quellen
- Anthropic raises $65B in Series H funding at $965B post-money valuation – Anthropic
- Anthropic Tops OpenAI to Become the World’s Most Valuable A.I. Start-Up – The New York Times
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