Anthropics Börsenpläne zeigen starkes Wachstum, enorme KI-Kosten und strikte Machtverhältnisse

Anthropic hat seine Unterlagen für einen Börsengang veröffentlicht und will seine Class-A-Aktien unter dem Kürzel ANT am Nasdaq Global Select Market notieren lassen. Wie viele Aktien angeboten werden und in welcher Preisspanne, steht noch nicht fest.

Die Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC zeigen ein Unternehmen mit rasant wachsendem Geschäft, sehr hohen Verpflichtungen für Rechenkapazität und einer Unternehmensstruktur, die den Gründern auch nach dem Börsengang weitreichenden Einfluss sichert. Erst wenn die SEC die Registrierung für wirksam erklärt, darf das Angebot starten.

Starkes Wachstum, hohe Verpflichtungen

Anthropic entwickelt bekanntlich die Claude-Familie von KI-Modellen und erzielte laut Reuters im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 16,29 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 1,16 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2025 weist das Unternehmen 4,59 Milliarden Dollar Umsatz aus, nach 386 Millionen Dollar im Jahr 2024.

Ein großer Teil der Einnahmen stammt von Unternehmen, die für die Nutzung der Modelle zahlen. Abgerechnet wird nach verarbeiteten Tokens, also Einheiten von Text oder anderen Eingaben. Hinzu kommen kostenpflichtige Angebote wie Pro und Max.

Auch die Zahl der großen Kunden wächst. TechCrunch berichtet unter Berufung auf den Börsenprospekt, dass Anthropic zum 30. September mehr als 11.900 Kunden mit jährlichen Ausgaben von mindestens 100.000 Dollar hatte. Mehr als 1.900 Kunden lagen bei mindestens einer Million Dollar. Rund 250 Kunden gaben jährlich mindestens zehn Millionen Dollar aus.

Mehr als die Hälfte der Kunden in der Gruppe ab 100.000 Dollar nutzt inzwischen sowohl die Claude-Plattform für Entwickler als auch ein eigenes Anthropic-Produkt wie Claude Code oder Cowork. Das Unternehmen setzt darauf, dass diese Verbindung mehrerer Angebote die Nutzung innerhalb von Unternehmen ausweitet und Kunden stärker bindet.

Dem Umsatzwachstum stehen außerordentlich hohe Ausgaben für Rechenleistung gegenüber. Reuters zufolge hat Anthropic über zehn Jahre hinweg bei rund acht Partnern Ausgaben von mehr als 600 Milliarden Dollar zugesagt. Teile dieser Verträge sind nicht kündbar oder sehen Zahlungen unabhängig von der tatsächlichen Nutzung vor.

Allein bei Amazon hat Anthropic mindestens 110 Milliarden Dollar zugesagt. Bei Google sind es rund 114,5 Milliarden Dollar, bei Microsoft 44,9 Milliarden Dollar. The Verge berichtet zudem über eine geplante Vereinbarung mit SpaceX im Umfang von bis zu 120,5 Milliarden Dollar für Nvidia-Grafikprozessoren bis 2029.

Diese Konstruktion schafft Abhängigkeiten. Amazon und Google liefern nicht nur Cloud-Infrastruktur, sondern gehören auch zu den wichtigsten Investoren von Anthropic. Im Börsenprospekt weist Anthropic darauf hin, dass diese Partner ihre eigenen Anforderungen oder andere KI-Anbieter bevorzugen könnten.

Der operative Verlust sank laut Reuters im ersten Halbjahr 2026 auf 693 Millionen Dollar, nach 2,14 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. The Verge verweist zugleich auf einen im S-1 ausgewiesenen Nettoverlust von 80,7 Milliarden Dollar. Dieser sei überwiegend durch bilanzielle Belastungen im Zusammenhang mit Finanzierungsinstrumenten entstanden. Operatives Ergebnis und Nettoverlust bilden hier also unterschiedliche Aspekte der Finanzlage ab.

Besondere Regeln für die Kontrolle

Auch nach dem Börsengang soll Anthropic eine Public Benefit Corporation bleiben. Diese US-Unternehmensform verpflichtet das Unternehmen, neben finanziellen Interessen auch einen festgelegten gesellschaftlichen Nutzen zu berücksichtigen. Anthropic verbindet dies mit dem Ziel, leistungsfähige KI verantwortungsvoll zu entwickeln.

Öffentliche Aktionäre werden nur begrenzten Einfluss erhalten. Eine Mehrheit der sieben Mitgründer lenkt eine einzelne Class-F-Aktie. Diese Aktie verfügt bei bestimmten wichtigen Entscheidungen über 50,1 Prozent der Stimmrechte. Dazu gehört die Wahl einiger Mitglieder des Verwaltungsrats.

Anthropic begründet die konzentrierte Kontrolle mit den Risiken leistungsfähiger KI-Systeme. Der Prospekt nennt unter anderem Urheberrechtsklagen, mögliche neue Regeln und Abgaben sowie schwerwiegende KI-Zwischenfälle. Das Unternehmen warnt zudem, dass selbst der Versicherungsmarkt insgesamt Schäden eines solchen Ereignisses möglicherweise nicht vollständig absichern könnte.

Für Anleger verbindet der Börsengang damit Zugang zu einem schnell wachsenden KI-Anbieter mit erheblichen Risiken. Dazu zählen langfristige Ausgaben für Infrastruktur, die Abhängigkeit von großen Kunden und Cloud-Partnern sowie eine Stimmrechtsstruktur, die den Gründern die entscheidende Kontrolle vorbehält.

Quellen

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