In den US-Branchen Medien, Film, Verlage und Kunst sind binnen vier Jahren mehr als 200.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Rund 50.000 davon entfielen auf das vergangene Jahr. Der Rückgang findet ohne allgemeine Rezession statt und verschärft die Frage, welchen Anteil generative KI an der Krise kreativer Geschäftsmodelle hat.
Joseph Politano schreibt für Apricitas Economics, dass die Entwicklung zu den schwersten anhaltenden Einbrüchen bei Medienjobs außerhalb der Rezessionen von 2001 und 2008 zählt. KI sei wohl nicht die alleinige Ursache. Sie treffe jedoch auf Branchen, die durch Streaming, digitale Plattformen und veränderte Werbemärkte bereits stark unter Druck stehen.
Am stärksten betroffen ist laut der Analyse der Bereich Film- und Tonaufnahmen, zu dem große Teile Hollywoods gehören. Dort gingen in vier Jahren mehr als 100.000 Stellen verloren. Das entspricht fast einem Drittel der Beschäftigten. Bei Verlagen sank die Beschäftigung im selben Zeitraum um mehr als 70.000 Stellen.
Die Zahlen belegen nicht, dass KI jeden dieser Jobs unmittelbar ersetzt hat. Medienunternehmen kämpfen zugleich mit Zusammenschlüssen, der Verlagerung von Produktionen ins Ausland, sinkenden Werbeeinnahmen und Konkurrenz durch Inhalte aus sozialen Netzwerken. Politano sieht dennoch ein auffälliges Muster: Digitale Kreativberufe verlieren Stellen, während Präsenzangebote in der Unterhaltung weiter wachsen.
Ein Geschäftsmodell gerät unter Druck
Unternehmen nutzen KI-Werkzeuge etwa für erste Textfassungen, Storyboards, Marketingmaterial, Übersetzungen oder Recherche. Das kann den Bedarf an bestimmten Aufträgen verringern, besonders bei einfachen Produktionsschritten und Einstiegsjobs.
Entscheidend ist nach Politano jedoch nicht nur die Automatisierung einzelner Aufgaben. Es geht auch darum, ob Medienunternehmen professionelle kreative Arbeit noch ausreichend finanzieren können. Streamingdienste konkurrieren um Aufmerksamkeit mit YouTube, TikTok, Twitch und anderen Plattformen. Dort stehen große Mengen kostenloser Inhalte bereit. KI könnte dieses Angebot weiter vergrößern.
Für Film und Fernsehen fehlen bislang Einnahmequellen, die den Rückgang traditioneller Erlöse ausgleichen könnten. Die Musikbranche reagierte auf die schwächeren Einnahmen aus Tonträgern und Streaming teilweise mit mehr Tourneen und Merchandising. Für Hollywood gibt es kein direkt vergleichbares Modell in dieser Größenordnung.
Die Entwicklung bei Zeitungen und Zeitschriften zeigt, wie tiefgreifend eine solche Verschiebung sein kann. Suchmaschinen, soziale Netzwerke und spezialisierte Websites lösten viele Bestandteile des früheren Medienangebots heraus. Damit wanderten auch Werbeeinnahmen ab. KI könnte ein ähnliches Risiko schaffen, wenn einzelne Artikel, Bilder, Drehbücher oder andere urheberrechtlich geschützte Werke wirtschaftlich an Wert verlieren.
Der KI-Einsatz bleibt schwer messbar
Wie stark KI bereits zu Stellenabbau beiträgt, lässt sich kaum eindeutig bestimmen. Unternehmen legen ihre interne Nutzung oft nicht offen. Beschäftigte können zudem allgemein verfügbare Werkzeuge ohne offizielle Vorgabe einsetzen. Politano verweist auf Daten, nach denen 32 Prozent der Beschäftigten in Kunst, Unterhaltung und Freizeit generative KI zumindest teilweise nutzen. Über alle Branchen hinweg liegt der Wert bei 62 Prozent.
KI kann dennoch in vielen Produktionen vorkommen. Autorinnen und Autoren testen Dialoge mit Chatbots. Gestalter erstellen Referenzbilder. Redaktionen nutzen automatische Transkription oder Übersetzung. Für Arbeitgeber, Publikum und Arbeitsmarktstatistiken bleiben solche Anwendungen oft unsichtbar.
Die Folgen müssen nicht überall negativ sein. Politano verweist auf steigende Buchverkäufe, die auch durch Lesegemeinschaften auf TikTok unterstützt wurden. Neue digitale Plattformen können damit auch Nachfrage nach etablierten Kulturprodukten schaffen.
Der bisherige Befund spricht daher für einen umfassenden Umbau kreativer Arbeit, nicht für eine einfache Erklärung aller Entlassungen durch KI. Die starken Verluste in Medien und Unterhaltung machen die Branchen aber zu einem wichtigen frühen Beispiel dafür, wie generative KI wissensbasierte Berufe verändern könnte.
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