Künstliche Intelligenz verändert, welche Jobs es gibt, was sie erfordern und was sie bezahlen. Neue Berufsbilder entstehen bei KI-Unternehmen und in vielen anderen Branchen. Gleichzeitig streiten Forscher und Ökonomen darüber, wie schnell und wie stark Automatisierung die Beschäftigung insgesamt beeinflusst.
Business Insider hat mehrere neue oder wieder gefragte Berufsgruppen identifiziert, die durch den Einsatz von KI entstehen. Unternehmen wie Anthropic und OpenAI zahlen Kommunikationsdirektoren Einstiegsgehälter von über 200.000 Dollar. Anthropic sucht außerdem einen sogenannten „Claude Evangelist“ — eine öffentlichkeitswirksame Rolle für die Startup-Community — ab 240.000 Dollar.
Eine der am schnellsten wachsenden Stellen ist der Forward Deployed Engineer. Diese Rolle, die Palantir bekannt gemacht hat, bettet einen spezialisierten Ingenieur direkt beim Kunden ein, um maßgeschneiderte KI-Lösungen zu entwickeln. Laut der Jobplattform Indeed gab es im Januar 2026 etwa 19 Mal mehr Stellenausschreibungen für diese Rolle als ein Jahr zuvor. Unternehmen wie OpenAI, Anthropic, Google, Amazon Web Services und Palantir suchen solche Fachkräfte, mit Gehältern zwischen 115.000 und über 200.000 Dollar.
Weitere neue Berufsbilder sind:
- KI-Beschleuniger: interne Rollen bei Unternehmen wie Stripe und Box, die Mitarbeiter bei der KI-Nutzung im Arbeitsalltag unterstützen
- KI-Philosoph oder KI-Ethiker: Stellen bei Anthropic und Google DeepMind, die sicherstellen sollen, dass KI mit menschlichen Werten übereinstimmt
- Vibe Coder: Rollen, bei denen KI-gestützte Programmierwerkzeuge eingesetzt werden, ohne klassische Programmierkenntnisse — gesucht unter anderem von TikTok und YouTube
- Chief AI Officer: eine Führungsposition, die bei Unternehmen wie PwC und Accenture entsteht, mit geschätzten Gehältern zwischen 265.000 und 494.000 Dollar
Daneben wächst auch die KI-Gig-Economy. Plattformen wie Scale AI und Mercor bezahlen Nutzer dafür, KI-Ausgaben zu bewerten, Sprachmodelle zu trainieren oder Alltagsaufgaben aufzunehmen. Der Stundenlohn liegt je nach Aufgabe und Qualifikation zwischen 15 und rund 200 Dollar.
Trotz dieser Einstellungsaktivitäten ist die Frage, wie stark KI Arbeitnehmer verdrängen wird, umstritten. James Manyika, Senior Vice President bei Google, argumentiert, dass die Auswirkungen zwar bedeutend, aber langsamer eintreten werden als viele vorhersagen. Im Gespräch mit Platformer sagte er, dass zwar mehr einzelne Aufgaben automatisierbar seien, der Anteil der Jobs, bei denen 90 Prozent oder mehr der Tätigkeiten automatisierbar sind, aber unter 10 Prozent liege. Er begründet das mit der Komplexität der meisten Berufe: Viele Aufgaben sind miteinander verknüpft, sodass die Automatisierung eines Schritts nicht ausreicht, um menschliche Beteiligung überflüssig zu machen.
Manyika widersprach direkt den Prognosen von Führungskräften bei Microsoft und Anthropic, die innerhalb von ein bis zwei Jahren massive Jobverluste voraussagen. „Einige dieser Vorhersagen wurden vor zwei Jahren gemacht — dass in zwei Jahren 50 Prozent der Jobs wegfallen würden. Nun sind zwei Jahre vergangen. Schauen wir uns das an“, sagte er gegenüber Platformer.
Er räumte ein, dass sich viele Berufsbilder schnell verändern, besonders in der Softwareentwicklung. Entwickler steuern heute stärker KI-Agenten, statt selbst Code zu schreiben. Die Nachfrage nach Software selbst wachse jedoch weiter und gleiche den Verdrängungseffekt aus.
Manyika macht sich weniger Sorgen um den Jobverlust selbst als um den Übergang dorthin. Er verwies auf die Globalisierungsära als warnendes Beispiel: Selbst geringer Stellenabbau traf bestimmte Arbeitnehmer und Regionen hart, weil angemessene Unterstützung fehlte. Er fordert bessere Weiterbildungsprogramme, Lohnversicherungen und Übergangshilfen, während die KI-Nutzung zunimmt.
Quellen: Business Insider, Platformer
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