Südkorea will allen Einwohnern über das Programm „AI for All“ kostenlosen Zugang zu leistungsfähigen generativen KI-Diensten geben. Jiyoung Sohn berichtet für das Wall Street Journal, dass die Regierung KI damit ähnlich wie eine öffentliche Grundversorgung behandeln und zugleich ihre technologische Unabhängigkeit stärken will.
Die Regierung hat drei Konsortien ausgewählt, die die Dienste bereitstellen sollen. Dazu gehören die Telekommunikationsunternehmen KT und SK Telecom sowie ein Verbund mit Kakao, einem in Südkorea stark verbreiteten Messenger und Anbieter weiterer digitaler Dienste. Ein Testbetrieb soll im September beginnen. Die breite Einführung ist noch für dieses Jahr geplant.
Nutzer sollen die staatlich unterstützten KI-Angebote ohne Nutzungsbegrenzung verwenden können. Die beteiligten Unternehmen wollen eigene Apps veröffentlichen und KI-Funktionen in bestehende Angebote einbauen. Die Systeme sollen auch an staatliche Dienste angebunden werden.
Damit könnten Bürger etwa Arzttermine buchen, Unterstützung bei der Wohnungssuche erhalten oder Fragen zu Steuern klären. Kleine Unternehmen sollen ihre Steuerdaten berechnen und prüfen können, ob sie Anspruch auf staatliche Förderprogramme haben. Eltern könnten Vorschläge für Lerninhalte ihrer Kinder erhalten.
Chips und staatliche Unterstützung
Seoul will die drei Konsortien mit bis zu 512 B200-Chips von Nvidia versorgen und einen Teil der Betriebskosten übernehmen. Die Gesamtkosten des Programms hat das Ministerium für Wissenschaft und IKT bislang nicht genannt.
Die Maßnahme gehört zur breiteren KI-Strategie von Präsident Lee Jae Myung. Seine Regierung hat für 2026 rund 10 Billionen Won vorgesehen, umgerechnet etwa 6,2 Milliarden Euro. Das entspricht laut Bericht dem Dreifachen des Vorjahresbudgets.
Südkorea zählt bereits zu den wichtigen Märkten für generative KI. Einer staatlichen Erhebung zufolge bezahlen rund ein Viertel der Südkoreaner für entsprechende Dienste. Mehr als 20 Millionen Menschen nutzen nach Schätzungen der Behörden kostenlose Angebote. Ein konkretes Ziel für die Zahl der Nutzer nennt das Programm nicht.
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