Unternehmen in Europa, die Künstliche Intelligenz einsetzen, sind im Durchschnitt vier Prozent produktiver als Firmen ohne KI. Iñaki Aldasoro und Kollegen berichten für das Centre for Economic Policy Research (CEPR) auf Basis von Daten aus mehr als 12.000 europäischen Unternehmen.
Die Forschenden entwickelten eine neue Methode, um echte Ursache-Wirkung-Zusammenhänge nachzuweisen. Jedes europäische Unternehmen wurde mit vergleichbaren US-Firmen abgeglichen. Diese US-Firmen ähneln den europäischen in Bezug auf Branche, Größe und Innovationsaktivität. Die KI-Adoptionsrate der US-Firmen dient dann als Maßstab dafür, wie stark das jeweilige europäische Unternehmen der Technologie ausgesetzt wäre. So lässt sich vermeiden, dass das Ergebnis dadurch verzerrt wird, dass KI-nutzende Firmen bereits von vornherein produktiver und innovativer sind.
Das Kernergebnis ist eindeutig: KI wirkt als ergänzendes Werkzeug, das die Leistung der Beschäftigten steigert, ohne Stellen zu gefährden. Es gibt keine Belege dafür, dass KI kurzfristig Arbeitsplätze vernichtet. Beschäftigte in KI-nutzenden Firmen verdienen zudem mehr. Ob diese Lohngewinne dauerhaft sind und alle Qualifikationsniveaus erreichen, bleibt offen.
Der Produktivitätszuwachs ist real, aber bescheidener als manche optimistischen Prognosen vermuten lassen. Es handelt sich um einen einmaligen Effizienzgewinn, nicht um dauerhaftes Wachstum der Gesamtfaktorproduktivität.
Deutlich ist die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern. Große Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten profitieren erheblich stärker als kleine Firmen mit 10 bis 49 Mitarbeitenden. Auch bei den Adoptionsraten zeigt sich dieses Muster: 45 Prozent der großen Firmen nutzen KI, bei kleinen sind es nur 24 Prozent. Die Forschenden nennen Größe als entscheidenden Faktor. Größere Unternehmen verfügen über die nötigen Ressourcen, technisches Know-how und organisatorische Kapazitäten, um Integrationskosten zu tragen.
Ergänzende Investitionen spielen eine entscheidende Rolle. Jeder zusätzliche Prozentpunkt, der in Software und Dateninfrastruktur investiert wird, verstärkt den Produktivitätseffekt von KI um 2,4 Prozentpunkte. Noch größer ist der Hebel bei Weiterbildung: Jeder zusätzliche Prozentpunkt für Training steigert den Produktivitätsgewinn um 5,9 Prozentpunkte. Die bloße Anschaffung der Technologie reicht nicht. Firmen müssen Arbeitsabläufe neu gestalten und sogenannte „Fusion Skills“ aufbauen. Dazu zählen Fähigkeiten wie Prompt Engineering und der verantwortungsvolle Umgang mit Daten.
Auch die geografische Lage entscheidet über den Nutzen. In finanziell entwickelten EU-Ländern wie Schweden und den Niederlanden setzen rund 36 Prozent der Unternehmen KI ein, ähnlich wie in den USA. In weniger entwickelten Ländern wie Rumänien und Bulgarien liegt der Anteil bei etwa 28 Prozent.
Die Autoren ziehen klare politische Schlüsse. Europa braucht funktionierende Kapitalmärkte, damit kleinere Firmen wachsen und Investitionen finanzieren können. Öffentliche Förderung sollte über Softwarelizenzen hinausgehen und Weiterbildung sowie Integration in den Mittelpunkt stellen. Und obwohl eine unmittelbare Vernichtung von Arbeitsplätzen unwahrscheinlich erscheint, warnen die Autoren: Leistungsfähigere KI-Systeme könnten dieses Bild langfristig verändern. Die Beobachtung des Arbeitsmarkts und eine inklusive Wachstumspolitik bleiben daher unverzichtbar.
