KI-Tools wollen dich auf die dunkle Seite der Inhaltserstellung locken. Sie sind nicht per se böse. Sie sind nur fehlgeleitet. Das Problem: KI-Assistenten wie ChatGPT, Gemini, Claude und andere wurden darauf trainiert, so hilfreich wie nur irgend möglich zu sein. Deshalb preschen sie gerne vor und tun dann viel mehr, als du eigentlich von ihnen wolltest.
Es ist so verlockend, sie einfach alles machen zu lassen … Sich der dunklen Seite hinzugeben …
In diesem Artikel erkläre ich dir, warum es keine gute Idee ist, der KI das Steuer zu überlassen.
Noch wichtiger: Ich erkläre dir, was du stattdessen tun kannst. Ich zeige eine Schritt-für-Schritt-Strategie für die Arbeit mit KI, mit der du deine Content Creation verbesserst und gleichzeitig die Kontrolle behältst.
Der seltsam anmutende Trick dahinter: Um schneller zu werden, müssen wir zuerst das Tempo herausnehmen. Ansonsten rennen wir mit voller Kraft in die falsche Richtung.
Problem 1: Kritisches Denken und Kreativität auslagern
Es ist schnell passiert, der KI das Steuer zu übergeben. Schließlich übernehmen diese Assistenten liebend gerne alles für dich. Genau darauf wurden sie trainiert.
Während das in vielen Situationen hilfreich sein kann, ist es beim Schreiben mit KI grundfalsch.
Ich verstehe dabei natürlich, warum manche KI so nutzen. Zum einen gibt es oft Druck von außen, der genau das verlangt. Arbeitgeber und Kunden erwarten heutzutage große Produktivitätssteigerungen durch KI. Ich erkläre weiter unten genauer, warum das problematisch ist.
Außerdem ist die Angst vor dem leeren Blatt real und an so manchen Tagen kostet es enorm viel Energie, überhaupt loszulegen.
Um das also klarzustellen: Es ist aus meiner Sicht absolut in Ordnung, KI als kreative Starthilfe zu nutzen. Ich mache das selbst und es hat mir schon sehr geholfen.
Die Probleme fangen an, wenn du dich für deinen gesamten kreativen Prozess auf die KI verlässt. In diesem Moment überlässt du dein kritisches Denken und deine Kreativität der Maschine. Dadurch aber entwertest du deine eigene Erfahrung, deine einzigartige Persönlichkeit, deine Eigenheiten und deine spezifisch menschliche Sichtweise.
Sieh es mal so: Beim Schreiben hältst du selten einfach nur das fest, was du bereits weißt. Viel häufiger findest du dabei (außerdem) heraus, was du eigentlich sagen willst.
Ein weiterer Faktor ist der kreative Zufall: Wenn du selbst schreibst, nimmst du eher einmal einen gedanklichen Umweg, findest dabei überraschende Einsichten und kommst so ganz nebenbei auf neue Ideen. Das ist sehr wertvoll.
Wenn du diesen Prozess aber komplett an eine KI delegierst, verlierst du das. Du übersiehst dann logische Lücken und entwickelst sehr wahrscheinlich nicht diese eine überraschende Erkenntnis, die deinen Text von einer generischen Wörtersammlung zu etwas Besonderem macht.
Es besteht zudem die Gefahr, dass deine Fähigkeiten nach und nach verkümmern: Wenn du aufhörst, die schwierigen Aufgaben selbst zu erledigen, verlernst du diese Fähigkeiten. Oder dir fehlt schkicht die Geduld, einem kreativen Projekt Zeit zu geben. Schließlich hast du immer im Hinterkopf, wie schnell eine KI dir etwas liefern könnte. Warum sich anstrengen, wenn die KI so motiviert ist, alles für dich zu übernehmen?
Am Ende kann das dein Selbstverständnis nachhaltig verändern: Du siehst dich nicht mehr als kreativer Schöpfer, sondern als Maschinenbediener. Manche sehen das als die Zukunft unseres Berufsstandes. Ich glaube nicht daran. Ja, natürlich musst wissen, wie du KI nutzt. Aber du brauchst außerdem deine eigenen, einzigartigen Fähigkeiten. Andernfalls machst du dich sehr schnell entbehrlich.
Außerdem nimmt es den Spaß an der Arbeit. Ich jedenfalls habe nicht das Schreiben zum Beruf gemacht, weil ich mich so sehr danach gesehnt habe, alles einer Maschine zu übergeben.
Und nicht zuletzt: Ein Creator zu sein bedeutet auch, einen Geschmack zu entwickeln. Du bekommst mit der Zeit ein Gefühl dafür, was gut, was außergewöhnlich und was einfach nur mittelmäßig ist. Auch dieser Geschmack braucht fortgesetztes Training. Wenn du das überspringst, wie willst du dann noch die KI-Ergebnisse beurteilen und verbessern?
Problem 2: Ganz schnell zu schlechten Ergebnissen kommen
Ergänzend zum Verlust der Kreativität gibt es ein weiteres, ganz praktisches Problem, wenn du die KI alles auf einmal machen lässt: die Illusion von Geschwindigkeit auf Kosten qualitativ hochwertiger Ergebnisse.
Zum einen ist KI-Output objektiv schlechter, wenn du die Maschine einen Long-Form-Text in einem Rutsch schreiben lässt. Er wird dagegen sofort besser, wenn du Schritt für Schritt vorgehst.
Ein weiteres großes Problem ist der „Debugging“-Albtraum. Wenn sich ein langer Output falsch anfühlt, erkennst du vielleicht nur mit Mühe, was dir daran eigentlich gefällt, was dich stört und wie du es beheben kannst. So geht es zumindest mir.
Ein grober KI-Entwurf kann für einen kleinen Abschnitt oder einen Absatz hilfreich sein, aber nicht für einen ganzen Artikel. Beim Schreiben triffst du zahlreiche kleine Entscheidungen, die die KI nicht für dich treffen sollte. Das im Nachhinein zu reparieren, ist mühsam. Das gilt besonders, wenn die KI gleich zu Beginn in die falsche Richtung gerannt ist …
Am Ende verbringst du dann mehr Zeit damit, Texte umzuschreiben oder neue Prompts auszuprobieren. Du ziehst quasi wieder am Hebel der KI-Slot-Machine und hoffst auf ein besseres Ergebnis.
Deshalb stört es mich so sehr, dass sich die Diskussion rund um Content Creation mit KI so häufig um „mehr Geschwindigkeit“ und „mehr Produktivität“ dreht.
Ja, KI kann Dinge beschleunigen. Ja, sie hilft dir, produktiver zu sein. Aber wenn dein Hauptfokus auf Geschwindigkeit liegt, produzierst du KI-Einheitsbrei. „Mach es schlechter, aber dafür schneller“ klingt für mich nicht nach einer erfolgreichen Langzeitstrategie und definitiv nicht nach einem Beruf, in dem ich arbeiten möchte.
Eine Randbemerkung an Arbeitgeber und Kunden, die das oft anders sehen: Auf lange Sicht geht es nach hinten los, wenn die Beschleunigung von Content die oberste Priorität ist. Vertrauen und Autorität baust du nicht durch Massenproduktion auf.
Wir sollten stattdessen mehr darüber nachdenken, wie KI uns dabei helfen kann, unseren Content zu verbessern oder wie sie neue Dinge ermöglicht.
Ich gebe dir ein Beispiel, das auch die Grauzonen aufzeigt: Diese Website und ihr Newsletter werden mit Hilfe von KI veröffentlicht. Ich gehe damit transparent um und zeige dir, wie diese Website entsteht und welche Prompts ich nutze. Außerdem siehst du, welche Beiträge zuerst von einer KI geschrieben und danach von mir redigiert und veröffentlicht wurden.
Bei diesem Beitrag, den du gerade liest, ist es anders: Er stammt von mir und die KI assistiert. Deshalb steht mein Name darüber.
Ich gebe sofort zu, dass der Smart Content Report in dieser Form ohne KI nicht möglich wäre. Ich könnte niemals so viele Artikel in zwei Sprachen veröffentlichen.
Geht es also am Ende doch um Geschwindigkeit? Bin ich ein Heuchler? Aus meiner Sicht nicht. Mir geht es nicht um Tempo oder Quantität, sondern um den Aufbau eines Archivs mit News, Tools, Tipps, Fakten und Zahlen rund um das Thema KI für Content-Profis. Es geht außerdem darum, mich selbst über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten.
Der Hauptvorteil ist für mich also, dass KI mir neue Dinge ermöglicht. Ich versuche nicht etwas schneller und schlechter zu machen, was ich vorher schon getan habe. Ich mache etwas Neues, das für mich hilfreich ist (und vielleicht auch für dich).
Die Lösung: Meine Schritt-für-Schritt-Strategie
Wie entkommen wir der „Mach es schlechter, aber dafür schneller“-Falle und nutzen trotzdem die Stärken der KI? Die überraschende Antwort lautet: Du musst langsamer werden, um zu beschleunigen. Erledige deine Arbeit schrittweise mit KI an deiner Seite, anstatt ihr das Kommando zu übergeben.
Wie sieht das konkret aus? Nehmen wir als Beispiel, wie ich genau diesen Artikel geschrieben habe:
1. Gedanken sammeln: Fängt chaotisch an. Ich habe eine Audiodatei mit meinen unsortierten Gedanken aufgenommen und sie in die KI geworfen. Das ist das Baumaterial für den Artikel. Es enthält bereits meine Gedanken und Meinungen sowie meine persönliche Perspektive. Das ist ein sehr guter Ausgangspunkt.
2. Material strukturieren: Als Nächstes habe ich die KI genutzt, um diesen „Brain Dump“ in ein sinnvolle Gliederung zu überführen. Das kann KI sehr gut. Dennoch habe ich nicht einfach den ersten Entwurf akzeptiert. Ich habe alles überprüft, meine Punkte präzisiert, neue Ideen hinzugefügt und alles so lange umgemodelt, bis es für mich logisch Sinn ergab.
3. Entwurf erstellen: Das ist die wichtigste Regel: Lass die KI einen Artikel nicht anhand der Gliederung in einem Rutsch schreiben. Bitte die KI stattdessen, jeweils nur einen Abschnitt anzugehen. Wie oben erwähnt: Die Qualität der Ergebnisse wird sofort besser, wenn du in kleineren Abschnitten vorgehst. Das macht es zugleich einfacher, die KI zu lenken.
4. Ergebnis überarbeiten: Sobald die KI einen Abschnitt generiert hat, liest du ihn, redigierst ihn und behältst so die Kontrolle. Ich schreibe Teile des Textes komplett selbst, damit er nach mir klingt. Wenn die KI das Ziel verfehlt, korrigiere ich sie. Ich sage ihr, was sie ändern soll, lasse sie aus meinen Anpassungen lernen oder übernehme einfach komplett. Erst wenn ich mit diesem Abschnitt zufrieden bin, gehen wir zum nächsten über.
Das mag nach viel Arbeit klingen, aber es bringt mich selbst an schwierigeren Tagen in einen echten „Schreib-Flow“. Mit der Zeit habe ich gelernt, wann ich die KI um Hilfe bitte oder ihr etwas übergebe und wann ich selbst das Ruder in die Hand nehme.
Es ist im Idealfall ein fließendes Hin und Her zwischen meinem biologischen Gehirn und dem künstlichen Gegenstück. Es beschleunigt mich, aber auf eine gute Art, denn ich bestimme das Tempo. Wenn ich die KI alles machen ließe, müsste ich ständig versuchen hinterherzukommen, und das ist anstrengend und kräftezehrend.
Zugleich bleibt viel Raum, damit mein kritisches Denken, mein kreativer Geist, meine Erfahrung und meine Fähigkeiten in diesem Prozess tatsächlich zum Tragen kommen.
Ein weiteres Beispiel für „Tempo rausnehmen“: Stelle sicher, dass du bei der Arbeit mit KI wirklich am Beginn einer Aufgabe startest. Was ich damit meine, kann ich dir aus einem Fall aus meiner eigenen Praxis erklären. Die Sache ist die: Ich habe wenig Erfahrung mit Sales Copy. Ich würde das niemals Kunden anbieten. Aber für meine eigenen Projekte mache ich es natürlich. In diesem Moment kann KI sehr hilfreich sein, wenn man es richtig angeht.
Der falsche Weg: Du wirfst der KI einen Klumoen Informationen vor die Füße und sagst ihr: „Mach eine Landingpage“.
Der richtige Weg: Frag zuerst, was eine Landingpage erfolgreich macht. Was sind die Best Practices? Welche Elemente werden benötigt?
Es scheint widersinnig, aber: KI kann über Expertenwissen in einem Bereich oder über eine Fähigkeit verfügen und das trotzdem nicht anwenden, sofern du sie nicht explizit dazu aufforderst.
Wenn du ihr in diesem Fall nur sagst „Mach eine Landingpage“, generiert sie etwas, das wie eine durchschnittliche Landingpage aussieht. Das gilt sogar für „denkende“ oder „Reasoning“-KI-Modelle.
Wenn du sie aber zuerst bittest, das benötigte Expertenwissen abzurufen, kannst du im nächsten Schritt gemeinsam mit ihr an dieser Landingpage arbeiten.
Wenn du diesen Bedarf regelmäßig hast, empfehle ich dir, diese Best Practices in einem Dokument zu speichern, das du beim nächsten Mal hochladen kannst, oder du richtest ein Projekt oder eine Custom AI dafür ein. Das strafft diesen Prozess für die Zukunft und führt zu den erhofften Produktivitätssteigerungen mit KI, ohne dabei Kompromisse bei der Qualität einzugehen oder deine eigenen Fähigkeiten aufs Abstellgleis zu schieben.
Schlusswort
Neulich hatte ich eine Idee für eine Story und bat die KI, mir dabei zu helfen, sie auf ein Storytelling-Framework zu übertragen. Ich wollte das Schritt für Schritt durchdenken, vergaß aber, das in meinem Prompt zu erwähnen. Natürlich preschte die KI direkt vor und erledigte alles auf einmal für mich. Boom, da war mein Story fertig geplant.
Das sollte eigentlich eine interessante und anregende Übung für mich sein (ja, ich schreibe auch nach mehr als 30 Jahren im Beruf immer noch zum Spaß). Entsprechend sagte ich der KI, alles zu verwerfen, ein paar Schritte zurückzugehen und die Sache ganz langsam und gemeinsam zu durchdenken. Vielleicht sollten wir sogar erst einmal nur darüber diskutieren, ohne uns sofort auf ein Ergebnis festzulegen. Meine Güte, hatte die KI mit diesem langsamen Tempo zu kämpfen!
Es fällt diesen Assistenten enorm schwer, nicht vorzupreschen. Es ist zu tief in ihrem Training verwurzelt.
Diese Erfahrung war der Auslöser für diesen Artikel. Sie hat mich an all die Momente erinnert, in denen ich die KI und mich selbst bremsen musste, um bessere Ergebnisse zu erzielen.
P.S.: Hast du einen Chef oder Kunden, der nicht versteht, wie dich zu hohes Tempo ausbremsen kann? Schick ihm doch einmal diesen Artikel. Vielleicht hilft es ja.
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