Künstliche Intelligenz produziert Musik in einem Ausmaß, das die Streaming-Branche grundlegend verändert. Der französische Streaming-Dienst Deezer meldet, dass täglich 75.000 KI-generierte Tracks auf die Plattform hochgeladen werden. Das entspricht rund 44 Prozent aller täglichen Uploads. Spotify löschte innerhalb eines Jahres mehr als 75 Millionen Spam-Tracks. Der Anstieg wird vor allem durch Tools wie Suno und Udio angetrieben, mit denen jeder aus einem kurzen Textprompt einen vollständigen Song erstellen kann.
Suno aus Cambridge, Massachusetts, ist zum dominierenden Anbieter im Bereich KI-Musikgenerierung geworden. Mehr als 100 Millionen Menschen haben die Plattform genutzt, täglich entstehen dort über sieben Millionen Songs. Das Unternehmen hat 375 Millionen Dollar an Finanzierung erhalten und wird mit 2,45 Milliarden Dollar bewertet. Laut Forbes stieg der hochgerechnete Jahresumsatz innerhalb weniger Monate von 100 auf 300 Millionen Dollar. Suno-CEO Mikey Shulman sieht die Technologie als Demokratisierung der Musikproduktion, weil sie technische Fähigkeiten nicht mehr voraussetzt.
Die Musikindustrie überzeugt dieses Argument nicht. Universal Music Group, Sony Music, Warner Music Group und die Recording Industry Association of America klagten 2024 gegen Suno. Sie werfen dem Unternehmen vor, sein Modell mit Millionen urheberrechtlich geschützter Aufnahmen ohne Erlaubnis trainiert zu haben. Suno weist die Vorwürfe zurück. Mit Warner Music Group schloss Suno später einen Vergleich, der Warner erlaubt, Lizenzgebühren aus der Nutzung seiner Aufnahmen zu erhalten. Mit Universal Music Group laufen die Verhandlungen weiter, sollen aber feststecken, weil UMG KI-generierte Songs von Mainstream-Plattformen fernhalten will.
So reagieren die Streaming-Dienste
Die Plattformen verfolgen unterschiedliche Ansätze:
- Deezer war der erste große Dienst, der KI-generierte Inhalte erkennt und kennzeichnet. 85 Prozent der Streams von KI-Musik werden nicht vergütet, und der Algorithmus empfiehlt solche Inhalte nicht.
- Qobuz hat eine KI-Charta veröffentlicht und ein Erkennungssystem eingeführt, aber kein vollständiges Verbot ausgesprochen.
- Apple Music verlangt von Labels und Distributoren, Transparenz-Tags für KI-generierte Inhalte zu setzen. Das System beruht jedoch auf freiwilliger Angabe, und Apple hat nicht erklärt, wie es die Anforderung durchsetzt.
- Spotify hat freiwillige KI-Hinweise eingeführt sowie ein „Verified by Spotify“-Abzeichen, das anhand von Signalen wie verlinkten Social-Media-Konten oder Konzertterminen bestätigt, dass hinter einem Profil ein echter Mensch steht. Kritiker weisen darauf hin, dass das Abzeichen zwar die Identität des Künstlers bestätigt, aber nichts darüber aussagt, ob die Musik selbst ohne KI entstanden ist.
- Google verlangt auf YouTube und YouTube Music die Offenlegung von KI-generierten Inhalten. Wer dies unterlässt, riskiert die Entfernung seiner Inhalte oder den Ausschluss aus dem Partnerprogramm.
- Bandcamp hat KI-generierte Musik vollständig verboten, setzt die Richtlinie aber nicht aktiv durch, sondern verlässt sich auf Meldungen der Nutzer.
Einige professionelle Musiker nutzen Tools wie Suno im Verborgenen, etwa um Demo-Ideen zu entwickeln oder Samples zu ersetzen. Unabhängige Künstler wie der Country-Musiker Tony Justice aus Tennessee berichten hingegen, dass die Flut an KI-Inhalten ihre Streaming-Einnahmen direkt geschmälert hat. Justice hat gemeinsam mit tausenden anderen Künstlern eine Sammelklage gegen Suno eingereicht.
Trotz der großen Menge an Uploads ist die tatsächliche Nutzung gering. Deezer zufolge macht KI-Musik rund ein Prozent der gesamten Streams aus. Auffällig: 85 Prozent dieser Streams wurden 2025 als betrügerisch eingestuft. Das deutet darauf hin, dass die scheinbare Beliebtheit von KI-Musik künstlich aufgebläht ist. Umfragen zeigen durchgehend, dass Hörerinnen und Hörer skeptisch sind. Eine Studie von Deezer und Ipsos ergab, dass 51 Prozent der Befragten glauben, KI führe zu mehr generischer Musik mit geringer Qualität. Eine andere Befragung von The Hollywood Reporter und der Frost School of Music ergab, dass 66 Prozent der Menschen nach eigenen Angaben nie bewusst KI-generierte Musik hören.
Quellen: The Verge, Forbes, BBC
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