Ein New Yorker Startup namens Flourish hat 500 Millionen Dollar eingesammelt, um eines der ehrgeizigsten Ziele der KI-Forschung zu verfolgen: ein künstliches Intelligenzsystem zu bauen, das wie ein menschliches Gehirn funktioniert. Steven Levy berichtet für WIRED, dass Jeff Bezos die frühe Finanzierungsrunde anführte. Er investierte einen zweistelligen Millionen-Dollar-Betrag und sagte den Gründern, er hätte mehr gegeben, wenn sie danach gefragt hätten.
Mitgegründet wurde das Unternehmen von Thomas Reardon, einem Neurowissenschaftler und Serienunternehmer, sowie Rob Williams, einem früheren Amazon-Manager, der unter anderem für Alexa zuständig war. Ihr zentrales Argument: Aktuelle Large Language Models (LLMs) sind ineffizient und können nach dem Training nicht mehr dazulernen. Ein einziger KI-Chip verbraucht mehr als 30-mal so viel Energie wie das menschliche Gehirn bei der Informationsverarbeitung. Flourish will diese Lücke deutlich verkleinern.
Was das Team konkret entwickelt
Das erklärte Ziel ist ein KI-System, das mit höchstens 50 Watt auskommt, kontinuierlich lernt und weit weniger Trainingsdaten benötigt als heutige Modelle. Reardon verweist darauf, dass ein menschliches Baby Sprache aus einigen hunderttausend gesprochenen Beispielen erlernt. LLMs hingegen brauchen Milliarden davon.
Flourish hat rund zwei Dutzend Neurowissenschaftler und KI-Forscher eingestellt. Sie sollen Laborexperimente mit Hightech-Geräten wie Elektronenmikroskopen durchführen. Im Mittelpunkt stehen sogenannte kortikale Kolumnen, die ein Teammitglied als „kanonische Recheneinheit“ des Gehirns bezeichnet.
Greg Wayne, leitender Forscher bei DeepMind und Leiter von Googles Project Astra, ist als Senior Adviser dabei, behält aber seinen bisherigen Job. Mitgründer Joshua Vogelstein hat kürzlich in einer Studie gezeigt, dass das neuronale Netz einer Fruchtfliege zehnmal effizienter ist als die Transformer-Architektur, auf der die meisten modernen KI-Modelle basieren.
Parallel dazu entwickelt Flourish kurzfristig vermarktbare Produkte: ein vom Hippocampus inspiriertes Gedächtnissystem sowie ein Modell für mobile Geräte. Mit einem großen Chiphersteller laufen Gespräche über eine Hardwareintegration.
Nicht alle sind überzeugt, dass der Ansatz aufgeht. Der Berkeley-Informatiker Ben Recht, selbst Berater des Unternehmens, sagte WIRED: „Ich bin nicht überzeugt, dass es funktionieren wird. Aber wenn doch, wäre es großartig.“
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