ElevenLabs, das KI-Sprachunternehmen mit einem Marktwert von 11 Milliarden Dollar, steigt in den Hörbuch-Streamingmarkt ein. Der direkte Wettbewerb richtet sich gegen Spotify und Audible. Laut einem Bericht von Ashley Carman für Bloomberg hat das Unternehmen Lizenzen für 200.000 von Menschen eingesprochene Hörbücher erworben. Zu den Verlagspartnern zählen HarperCollins, Blackstone Publishing und Vinci Books.
Die Titel werden über ElevenReader angeboten, die bestehende App des Unternehmens. Nutzer können dort bereits beliebige Dokumente oder Webseiten hochladen und von einer KI-Stimme vorlesen lassen. Bei ausgewählten Hörbüchern soll es möglich sein, die menschliche Erzählstimme gegen eine von 1.000 verfügbaren KI-Stimmen in 16 Sprachen auszutauschen.
ElevenLabs verlangt 11 Dollar pro Monat für bis zu 20 Stunden Hören. Spotify bietet Premium-Abonnenten 15 Stunden Hörbücher pro Monat für 12,99 Dollar an. Audibles günstigstes Abo beginnt bei 8,99 Dollar pro Monat für ein einzelnes Buch.
Die größten Verlage fehlen noch
Im Katalog von ElevenLabs klafft eine deutliche Lücke. Deals mit den weltgrößten Verlagen, darunter Penguin Random House und Simon & Schuster, fehlen bislang. Jack McDermott, der bei ElevenLabs für mobiles Wachstum zuständig ist, bestätigte in einem Interview, dass keiner der fünf größten Verlage aktuell an Bord ist. Er betonte jedoch, dass ElevenLabs mit vielen von ihnen bereits zusammenarbeite, um Hörbücher zu produzieren.
Am selben Tag gab Spotify eine Partnerschaft mit ElevenLabs bekannt. Dabei sollen die KI-Stimmen des Startups in Spotifys interne Tools für Autorinnen und Autoren integriert werden. Schriftsteller könnten so ihre Bücher mithilfe von ElevenLabs-Technologie selbst einsprechen, während die Hörer auf der Spotify-Plattform bleiben.
KI-Hörbücher warten auf den Durchbruch
Trotz des rasanten Wachstums KI-generierter Inhalte in Musik und Podcasts hat kein KI-Hörbuch bislang wirklich eingeschlagen. Mehr als 50.000 Titel auf Audible nutzen bereits Amazons Funktion „Virtual Voice“. Gefälschte KI-Hörbücher sollen YouTube überschwemmt haben. Dennoch fallen Nutzerbewertungen für KI-eingesprochene Titel oft negativ aus. Viele bemängeln fehlende Emotionen, besonders bei Liebesromanen.
Verlage, die mit KI-Narration experimentieren, investieren viel Zeit in die Qualitätssicherung. Ihr Ruf hängt vom Ergebnis ab. Laut Carmans Bericht funktionieren KI-Stimmen bei kürzeren Inhalten noch gut, zeigen aber bei mehrstündigen Büchern deutliche Schwächen.
Der bisher bekannteste Einsatz von KI im Hörbuchbereich war Melania Trumps siebenstündige Memoiren, die sie mit ElevenLabs-Technologie einsprechen ließ. LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman nutzte für sein jüngstes Hörbuch ebenfalls KI, in seinem Fall vom Unternehmen Respeecher.
ElevenLabs setzt darauf, sich durch Personalisierung und einen attraktiven Preis abzuheben. Spotify signalisierte auf seinem Investorentag, dass der Hörbuchbereich bereits auf dem Weg zu 100 Millionen Dollar jährlichem Umsatz ist. Dieser Betrag stammt allein von Nutzern, die das monatliche Limit von 15 Stunden überschreiten. Das zeigt, wie groß der Markt ist, den ElevenLabs für sich gewinnen will.
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