OpenAIs KI-Agent Codex hat sich weit von seinen Wurzeln als Werkzeug für Softwareentwickler entfernt. Laut einer neuen Veröffentlichung von OpenAI zählt das System inzwischen mehr als 5 Millionen wöchentlich aktive Nutzerinnen und Nutzer. Immer mehr davon kommen aus klassischen Büroberufen.
OpenAI berichtet und legt in einem ergänzenden Bericht dar, dass die Nutzerzahlen seit dem Start der Desktop-App im Februar um mehr als das Sechsfache gestiegen sind. Entwicklerinnen und Entwickler bleiben zwar die größte Gruppe, doch Wissensarbeiter:innen machen inzwischen rund 20 Prozent der Nutzenden aus. Sie wachsen mehr als dreimal so schnell wie die Entwicklergruppe.
Wofür Wissensarbeiter Codex einsetzen
Die Daten zeigen konkret, wie Menschen ohne technischen Hintergrund das Tool nutzen. Jede Woche erstellen 72 Prozent der Knowledge Worker unter den Nutzenden Dokumente, Tabellen, Präsentationen, Verträge oder multimediale Inhalte. Fast die Hälfte führt technische Aufgaben aus, etwa das Schreiben kleiner Skripte oder die Automatisierung wiederkehrender Abläufe.
Die am schnellsten wachsenden Aufgabenbereiche in dieser Gruppe sind:
- Datenanalyse: plus 110 Prozent im Wochenvergleich
- Recherche: plus 37 Prozent
- Erstellung von Wissensdokumenten wie Berichten, Memos und Verträgen: plus 36 Prozent
OpenAI beschreibt dies als eine zunehmende Verschmelzung von Softwarearbeit und Wissensarbeit. Eine Produktmanagerin baut selbst ein Dashboard, anstatt es beim Entwicklungsteam anzufragen. Eine Forscherin schreibt ihr eigenes Skript zur Datenbereinigung. Eine Designerin liefert einen Prototypen ab, ohne eine Entwicklerin einzubinden. Wer dem Problem am nächsten ist, baut die Lösung direkt.
Parallele Aufgaben verändern die Arbeitsweise
Ein auffälliger Befund betrifft die Art, wie Nutzende Codex einsetzen. Rund 50 Prozent führen inzwischen an manchen Punkten des Tages mehrere Aufgaben gleichzeitig aus. Mitte April waren es noch weniger als ein Drittel. OpenAI argumentiert, dieser Wechsel vom sequenziellen zum parallelen Arbeiten ermögliche es einer einzelnen Person, so produktiv zu sein wie ein kleines Team.
Der Bericht ordnet diese Entwicklung in einen größeren historischen Zusammenhang ein. Wissensarbeit macht inzwischen mehr als 40 Prozent der US-Beschäftigung aus. Sie leidet seit Langem unter drei zentralen Reibungsverlusten: der Schwierigkeit, Informationen in fragmentierten Systemen zu finden, dem Aufwand für die Koordination über verschiedene Tools und Teams hinweg sowie dem bürokratischen Aufwand für Freigaben und Prüfungen. Frühere Softwaregenerationen senkten die Kosten für die Erstellung von Dokumenten, vervielfachten aber zugleich die Zahl der zu prüfenden Dokumente. OpenAI sieht Codex als anderen Ansatz: Das Tool übernehme Suche, Koordination, Erstellung und Qualitätsprüfung gemeinsam.
Der Bericht enthält mehrere Fallbeispiele. Ein Mathematikprofessor der California State University automatisiert mit Codex die Verwaltung seiner Lehrveranstaltungen und spart nach eigenen Angaben vier bis fünf Stunden pro Woche. Ein kleines Startup für Fuhrparkverwaltung nutzt das Tool, um aus Kundengesprächen funktionierende Produktdemos zu entwickeln. Ein Civic-Tech-Unternehmen macht öffentliche Protokolle von rund 90.000 Behörden durchsuchbar. Ein Privatnutzer baute eine persönliche App zur Hörausgleichskompensation, nachdem er sein Problem in einfacher Sprache beschrieben hatte.
OpenAI thematisiert auch die politische Dimension. Der Bericht fordert Regierungen auf, KI-Kompetenz als grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur zu behandeln, Weiterbildung an Schulen und öffentlichen Einrichtungen zu finanzieren und Beschaffungsregeln zu modernisieren. Die Vorteile von KI-Agenten sollten nicht nur großen Unternehmen zugutekommen, so der Bericht.
Quellen
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