Claude Cowork wird mobil und Anthropic hat neue Nutzungsdaten

Anthropic bringt seinen KI-Agenten Claude Cowork auf mobile Geräte und ins Web. Das Unternehmen kündigte dies in einem offiziellen Blogbeitrag an. Bisher lief das Tool nur in der Desktop-App. Nutzer können nun eine Aufgabe am Laptop starten, den Fortschritt am Handy prüfen und das fertige Ergebnis in jedem Browser abrufen. Der Betazugang beginnt mit Max-Abonnenten, weitere Tarife folgen in den kommenden Wochen.

Cowork unterscheidet sich von einem Chatbot: Nutzer übergeben eine Aufgabe, und das Tool arbeitet eigenständig mit Dateien, Kalender, E-Mails, Messaging-Apps und weiteren verbundenen Diensten, bis die Arbeit erledigt ist. Neu ist, dass Aufgaben jetzt auch ohne eingeschaltetes Gerät weiterlaufen. Anthropic nennt ein Beispiel: Ein Nutzer plant ein Kunden-Briefing für sechs Uhr morgens. Claude arbeitet über Nacht E-Mail-Verläufe und Transkripte durch, erstellt ein Briefing-Dokument und einen Antwortentwurf, bereit zur Prüfung beim Morgenkaffee.

Erreicht Claude eine Entscheidung, die nur ein Mensch treffen kann, schickt das System eine Frage aufs Smartphone. „Nichts wird versendet, bevor Sie es geprüft und freigegeben haben“, schreibt das Unternehmen. Die volle Funktionsbreite bleibt dem Desktop vorbehalten, mit Zugriff auf lokale Dateien und den Browser. Zum Start verlängert Anthropic die verdoppelten Nutzungslimits bis zum 5. August.

Die meisten Sitzungen drehen sich nicht um Code

Parallel zum Mobile-Start veröffentlicht Anthropic eine Auswertung von 1,2 Millionen anonymisierten Cowork-Sitzungen aus dem Zeitraum vom 11. bis 31. Mai, gesammelt bei mehr als 600.000 Organisationen. Die Ergebnisse widersprechen der verbreiteten Annahme, KI-Agenten dienten vor allem Entwicklern. Mehr als 90 Prozent der untersuchten Sitzungen hatten nichts mit Softwareentwicklung zu tun, berichtet David Gewirtz für ZDNET.

Geschäftsprozesse und Betriebsabläufe stellten mit 33,4 Prozent die größte Kategorie, etwa das Abgleichen von Tabellen oder das Erstellen von Statusberichten. Content-Erstellung und Copywriting folgten mit 16,4 Prozent. Zusammen machen beide Kategorien rund die Hälfte der gesamten Nutzung aus. Softwareentwicklung lag mit 8,7 Prozent deutlich dahinter.

Anthropic prägt dafür den Begriff „die Arbeit rund um die Arbeit“: Aufgaben, die selten in einer Stellenbeschreibung stehen, aber einen großen Teil der Arbeitswoche ausmachen können. Michael Nuñez von VentureBeat ordnet dies als bewusste Strategie ein: Statt fachliches Urteilsvermögen zu ersetzen, übernimmt Cowork die Verwaltungsarbeit drumherum, etwa Formatierungsarbeiten für Anwälte oder das Zusammenfassen von Bewerbungsgesprächen für Personalverantwortliche.

Kontext: Wachstum, Konkurrenz und kritische Fragen

Der Start fällt in eine ereignisreiche Phase für Anthropic. Erst kürzlich erschien das Modell Sonnet 5, das nun standardmäßig Cowork antreibt, ebenso wie Claude Tag, ein Slack-basierter Kollaborationsagent. Nuñez weist darauf hin, dass sich Anthropic zunehmend als unternehmensweite Plattform positioniert und verweist auf den Ramp AI Index, demzufolge Anthropic erstmals vor OpenAI bei der Unternehmensakzeptanz liegt.

Dieses Wachstum bringt Reibung mit sich. Gewirtz erinnert an eine kürzlich bekannt gewordene Sicherheitslücke in der Desktop-Version von Cowork, die laut Anthropic bereits existierenden lokalen Zugriff voraussetzte. Die Verlagerung in die Cloud verändert dieses Risikoprofil, wirft aber neue Fragen zum Umgang mit Daten bei unbeaufsichtigt laufenden Aufgaben auf. Nuñez berichtet zudem, dass Alibaba seinen Mitarbeitern die Nutzung von Anthropic-Tools untersagt hat, im Zuge eines Streits um mutmaßliche Modell-Destillation. Das erschwert Anthropics globale Unternehmensambitionen, während der Konzern zugleich Milliarden in neue Rechenzentrumskapazitäten investiert.

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