Apple hat heute Klage gegen OpenAI eingereicht. Der Vorwurf: systematischer Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen, um ein eigenes Hardware-Produkt zu entwickeln. Die Klage vor dem US-Bezirksgericht für den Norden Kaliforniens richtet sich gegen OpenAIs Hardware-Chef Tang Tan und den früheren Apple-Ingenieur Chang Liu, außerdem gegen OpenAI selbst und dessen Tochterfirma io Products.
Apple behauptet, das Fehlverhalten ziehe sich durch alle Ebenen von OpenAI, vom technischen Personal bis zur Führungsspitze. Das berichten Kif Leswing und MacKenzie Sigalos für CNBC. Tan, der 24 Jahre bei Apple arbeitete, bevor er 2024 kündigte, soll interne Projektnamen genutzt haben, um in Bewerbungsgesprächen gezielt Informationen zu entlocken. Zudem forderte er Kandidaten demnach auf, echte Apple-Hardwareteile wie Batterien oder Logic Boards zu „Show and Tell“-Sitzungen mitzubringen.
Laptop-Lücke und geleaktes Sicherheitsdokument
Die Klage beschreibt außerdem, wie Tan angeblich ein internes Apple-Dokument mit dem Titel „Need to Know“ an neue OpenAI-Mitarbeiter weitergab. Das Dokument soll ihnen geholfen haben, Apples Sicherheitskontrollen beim Firmenaustritt zu umgehen.
Chang Liu, acht Jahre lang leitender Elektroingenieur bei Apple, sieht sich weiteren Vorwürfen ausgesetzt. Wie Megan Morrone für Axios berichtet, behielt Liu seinen von Apple gestellten Laptop nach seinem Wechsel zu OpenAI. Dabei entdeckte er eine Sicherheitslücke, die ihm Zugriff auf Apples Cloud-Speicher ermöglichte. An eine noch bei Apple beschäftigte frühere Kollegin schrieb er demnach: „LOL, ich habe rausgefunden, dass ich auf den Netzwerkspeicher zugreifen kann, so lustig.“ Apple wirft ihm vor, anschließend Dutzende vertrauliche Dateien heruntergeladen zu haben, darunter detaillierte Fertigungsunterlagen für Platinen.
Apple wirft OpenAI zudem vor, direkt auf Zulieferer zugegangen zu sein. In einem Fall habe das Unternehmen einen Partner überzeugt, ein patentiertes Metallveredelungsverfahren von Apple einzusetzen, indem es fälschlich behauptete, Apples Erlaubnis dafür zu haben. Das schreibt Mark Gurman für Bloomberg.
Aus Partnern werden Rivalen
Die Klage markiert eine deutliche Kehrtwende für zwei Unternehmen, die sich lange als enge Partner präsentierten. 2024 wurde ChatGPT in Siri integriert, OpenAI-Chef Sam Altman war bei der Ankündigung in Apples Hauptquartier zugegen. Die Spannungen wuchsen, nachdem OpenAI im vergangenen Jahr Jony Ives Hardware-Startup io für 6,5 Milliarden Dollar übernahm und sich damit als möglicher Konkurrent im Gerätemarkt positionierte. Ive selbst wird in der Klage nicht als Beklagter genannt.
Apple erklärt, bereits im Februar Bedenken bei OpenAI geäußert zu haben, jedoch ohne Reaktion. In der Klageschrift heißt es, dies sei nur „die Spitze des Eisbergs“. Das Hardware-Geschäft von OpenAI stehe demnach auf „den wackligsten Fundamenten“, weil es angeblich auf gestohlenen Informationen beruhe.
Apple fordert vom Gericht, OpenAI die Nutzung seiner Geschäftsgeheimnisse zu untersagen, die Rückgabe vertraulicher Materialien anzuordnen und Schadenersatz zuzusprechen. Die Siri-Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen ist ausdrücklich nicht Teil des Streits. Die Klage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich OpenAI auf einen möglichen Börsengang vorbereitet und weiter an einem gemunkelten Hardware-Produkt für Endkunden arbeitet.
Quellen
- Apple sues OpenAI over alleged trade secret theft – TechCrunch
- Apple sues OpenAI for trade secret theft – Axios
- Apple Sues OpenAI for Trade Secret Theft in Blockbuster Case – Bloomberg
- Apple sues OpenAI alleging trade secret theft, says scheme was ‚at every level‘ – CNBC
- Apple sues OpenAI, accuses ex-employees of stealing trade secrets – 9to5Mac
- Apple sues OpenAI, alleging trade secret theft – Six Colors
- Apple Sues OpenAI for Stealing Trade Secrets to Build AI Hardware – MacRumors
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