Adobe Firefly bekommt agentische KI für kreative Workflows

Adobe hat seine KI-Kreativplattform Firefly deutlich erweitert. Ein KI-Assistent, der mehrstufige kreative Aufgaben selbstständig ausführen kann, steht nun sowohl im eigenständigen Firefly-Studio als auch in den wichtigsten Creative-Cloud-Anwendungen zur Verfügung. Der Firefly AI Assistant ist ab sofort in der öffentlichen Beta in Premiere Pro, Photoshop, Illustrator, InDesign und Frame.io verfügbar. Ein aufgewertetes Firefly Creative AI Studio befindet sich in der privaten Beta.

Was der Assistent leisten kann

Frühere KI-Tools produzierten auf einen Textbefehl hin ein einzelnes Bild oder Video. Adobes Assistent geht weiter: Er versteht natürlichsprachliche Anweisungen und führt dann selbstständig eine Abfolge von Schritten direkt in der jeweiligen Anwendung aus. In Premiere Pro sortiert er Footage in Ordner, benennt Clips um und erstellt einen ersten groben Schnitt. In Illustrator erzeugt er 50 versionierte Dateien aus einer Tabelle oder prüft Drucklayouts auf Fehler. In Photoshop und InDesign entfernt er Hintergründe im Stapelbetrieb und überträgt Markenaktualisierungen auf mehrseitige Dokumente.

Neue Funktionen im Firefly AI Assistant richten sich besonders an Social-Media-Creator und Selbstständige:

  • Erstellung eines kompletten Markenauftritts aus einer Textbeschreibung
  • Umwandlung von Produktfotos in kurze Werbevideos
  • Erstellung von Storyboards und direkte Videogenerierung daraus
  • Automatische Montage von Rohmaterial zu einem strukturierten Erstedit

Kontinuität über Projekte hinweg

Das aufgewertete Firefly-Studio bringt zwei neue Funktionen mit, die Konsistenz über längere Projekte hinweg sichern sollen. Elements erlaubt es, bestimmte Figuren, Schauplätze und Objekte zu speichern und in späteren Generierungen wiederzuverwenden. So bleibt das visuelle Erscheinungsbild einer Kampagne oder Serie konsistent. Projects fasst Assets, Generierungen und den Verlauf einer Arbeitssitzung an einem Ort zusammen. Nutzer können dort weitermachen, wo sie aufgehört haben, ohne den Kontext neu aufbauen zu müssen.

Adobe beschreibt den Nutzen anhand konkreter Szenarien: Eine Reiseserie, in der wiederkehrende Figuren und Schauplätze episodenübergreifend genutzt werden können. Oder ein Markenteam, das alle Kampagnen-Assets an einem Ort verwaltet und für verschiedene Kanäle anpasst.

Zusätzlich verbindet Adobe seinen Creative Agent mit Drittplattformen. Bereits angekündigt sind Integrationen mit ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic und Microsoft 365 Copilot. Google Gemini und Slack sollen folgen.

Wie Carl Franzen für VentureBeat berichtet, bleiben für Unternehmenskunden einige technische Fragen offen. Ob Adobe die neuen agentischen Funktionen über eine öffentliche API zugänglich machen oder das Model Context Protocol unterstützen wird, ist unklar. Beides wäre notwendig, um den Assistenten in eigene KI-Systeme einzubinden. Auch die technische Architektur hinter Elements sowie Details zur Datenspeicherung und zu Zugriffsrechten für Projects hat Adobe bislang nicht offengelegt.

Adobes Ansatz stützt sich auf Daten aus dem eigenen Creators‘ Toolkit Report, für den mehr als 16.000 Kreative weltweit befragt wurden. Demnach bezeichnen 75 Prozent von ihnen KI als festen Bestandteil oder unverzichtbares Werkzeug in ihrer Arbeit. Gleichzeitig sagen 85 Prozent, dass die letzte kreative Entscheidung immer beim Menschen liegen muss. Adobe-Manager David Wadhwani formulierte das Ziel so: Kreative sollen sich auf ihr Handwerk konzentrieren und „die Entscheidungen treffen, die nur sie treffen können.“ Die KI übernimmt die zeitraubenden Routineaufgaben.

Das aufgewertete Firefly-Studio mit Elements und Projects ist über eine Warteliste unter firefly.adobe.com/studio zugänglich. Der KI-Assistent in Premiere Pro, Photoshop, Illustrator, InDesign und Frame.io steht bereits als öffentliche Beta bereit.

Quellen

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