Hollywood-Profis haben die Creators Coalition on AI (CCAI) gegründet. Die Initiative bringt mehr als 500 Schauspieler, Filmemacher, Autoren und Crew-Mitglieder zusammen, um ethische Richtlinien für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Unterhaltungsbranche zu etablieren. Die Koalition reagiert auf unkontrollierten KI-Einsatz in der Industrie.
Zu den 18 Gründungsmitgliedern gehören die Oscar-Gewinner Daniel Kwan, Jonathan Wang und Sian Heder sowie die Schauspieler Natasha Lyonne und Joseph Gordon-Levitt, die frühere Academy-Präsidentin Janet Yang und Filmemacher David Goyer. Prominente Unterstützer sind Cate Blanchett, Rian Johnson, Aaron Sorkin, Natalie Portman und Kristen Stewart.
CCAI hat vier Kernprinzipien formuliert: Transparenz, Zustimmung und Vergütung für die Nutzung von Content und Daten, Arbeitsplatzschutz und Übergangspläne, Schutzmechanismen gegen Missbrauch und Deepfakes sowie den Erhalt menschlicher Kreativität. Die Koalition betont, dass sie KI nicht grundsätzlich ablehnt, sondern verantwortungsvollen Einsatz fordert.
Kwan sagte dem Hollywood Reporter, die Initiative adressiere dringende Bedenken, dass Tech-Konzerne die Bedingungen für die Unterhaltungsindustrie diktieren. Er verwies auf die Streaming-Kriege als warnendes Beispiel. Diese hätten Geschichten entwertet, Kino-Geschäftsmodelle beschädigt und etablierte Verträge gestört. Wang berichtete von überwältigender Unterstützung. Mitglieder äußerten Erleichterung über eine zentrale Koordinierungsstelle für das komplexe Thema.
Die Gründung von CCAI beschleunigte sich, nachdem Disney eine Partnerschaft mit OpenAI ankündigte. Das Unternehmen investiert eine Milliarde Dollar in die Plattform und lizenziert seine Charaktere für die Video-Plattform Sora. Kwan beschrieb die Reaktion als Schock. Viele fühlten sich von dem Deal überrumpelt. Die Ankündigung veranlasste CCAI, den öffentlichen Start vorzuziehen.
Die Koalition organisierte ein Treffen mit Vertretern großer Gewerkschaften, darunter WGA, PGA, DGA, SAG und Teamsters, um Positionen zu KI abzustimmen. Yang berichtete von stärkerer Übereinstimmung als erwartet. Heder, die im KI-Ausschuss der DGA sitzt, sagte, die Koalition ermögliche gewerkschaftsübergreifende Gespräche über Themen, die alle künstlerischen Disziplinen betreffen.
Die Spannungen um KI-Implementierung gehen über Grundsatzfragen hinaus. Regisseur Timur Bekmambetov schuf einen experimentellen Film mit KI-generierten Inhalten. Er adaptierte ein Buch über einen Soldaten mit Hirnschädigung. Das Projekt hätte mit traditionellen Methoden 150 Millionen Dollar gekostet, beschäftigte aber nur einen Schauspieler und eine kleine Crew. Bekmambetov berichtete jedoch von Widerstand der Produzenten eines anderen Films, Mercy, nachdem Schauspieler Bedenken zu seiner KI-Service-Entwicklung äußerten.
Anwalt Kevin Yorn sagte Bloomberg, er füge in Verträge seiner Mandanten Klauseln zu digitalen Repliken und synthetischen Abbildern ein. Yorn vertritt Scarlett Johansson, die behauptete, OpenAI habe ihre Stimme ohne Erlaubnis nachgeahmt. Trotz Vorbehalten ermutigt Yorn Mandanten zum Experimentieren mit der Technologie. Sein Mandant Matthew McConaughey investierte in das Voice-Cloning-Startup Eleven Labs.
Regisseur Rian Johnson sagte dem Hollywood Reporter, KI mache alles in jeder Hinsicht schlechter. Bei einem Filmfestival scherzte Regisseur Bong Joon Ho, er wolle eine militärische Einheit organisieren, um die Technologie zu zerstören. Guillermo del Toro erklärte, er würde lieber sterben, als generative KI in seinen Filmen einzusetzen.
Gordon-Levitt betonte, die Koalition diene als Plattform für viele Stimmen und nicht als Entscheidungsgremium weniger Personen. Die Gruppe begrüße die Teilnahme von YouTube-Creators, Podcastern und Newsletter-Autoren. Die Herausforderung betreffe alle Content-Creators. Goyer merkte an, das Framework der Koalition könne über Hollywood hinaus in Bildung, Produktion, Gesundheitswesen und anderen Bereichen angewendet werden.
Quellen: Hollywood Reporter, Bloomberg
