Neue Zahlen: Gen X bewertet KI im Unternehmen positiver als jüngere Beschäftigte

Beschäftigte der Generation X bewerten den KI-Einsatz ihrer Arbeitgeber deutlich häufiger positiv als Millennials und Angehörige der Generation Z. Das zeigt eine Auswertung von Mitarbeiterbewertungen durch Glassdoor. Für viele erfahrene Beschäftigte schafft KI neue Möglichkeiten. Jüngere Menschen verbinden sie dagegen häufiger mit weniger Einstiegsjobs, höherem Leistungsdruck und dem Verlust von Einfluss auf ihre Arbeit.

47% der KI-bezogenen Kommentare von Beschäftigten der Generation X fallen laut Glassdoor positiv aus. Bei Millennials sind es 40%, bei Gen Z 33%. Insgesamt überwiegt jedoch in allen Altersgruppen die Kritik an KI im Unternehmen.

Ein wesentlicher Grund liegt in der Automatisierung typischer Einstiegsaufgaben. Unternehmen setzen generative KI zunehmend im Kundendienst, bei Recherchearbeiten, für erste Textentwürfe und im Marketing ein. Daten der Jobplattform Indeed, auf die sich die Analyse bezieht, zeigen einen gegensätzlichen Trend am Arbeitsmarkt: Die Zahl der Ausschreibungen für erfahrene Fachkräfte stieg binnen eines Jahres bis Mai 2026 um 14,7%. Anzeigen für Einstiegspositionen sanken um 6,3%.

Berufserfahrung kann den Umgang mit Large Language Models erleichtern. Glassdoor-Chefökonom Chris Martin erklärt gegenüber Bloomberg, dass erfahrene Beschäftigte oft präzisere Prompts formulieren und fehlerhafte Antworten der Modelle besser erkennen können. Damit lässt sich KI eher als Unterstützung einsetzen, statt sie als Bedrohung wahrzunehmen.

Die Skepsis jüngerer Beschäftigter bedeutet nicht, dass sie KI weniger nutzen. Einer von Bloomberg zitierten Deloitte-Studie zufolge haben mehr als drei Viertel der Gen-Z-Beschäftigten eigenständige KI-Tools verwendet. Bei Gen X liegt der Anteil bei etwas mehr als einem Drittel. Entscheidend ist daher weniger die technische Vertrautheit als die Frage, wer vom KI-Einsatz im Betrieb profitiert.

Kritik richtet sich auch gegen schlechte Einführung

Angst vor Arbeitsplatzverlust ist mit 20% der häufigste einzelne Grund für negative KI-Kommentare. Die Auswertung zeigt aber ein breiteres Spektrum an Problemen. Beschäftigte berichten von verpflichtend eingeführten, fehleranfälligen Anwendungen, Ablenkung vom Kerngeschäft, schlechteren Kundenerlebnissen, digitaler Überwachung und unrealistischen Produktivitätszielen.

Besonders kritisch äußern sich Beschäftigte in Berufen, die bereits stark von Automatisierung betroffen sind. Mitarbeitende in der Schadenbearbeitung von Versicherungen bewerten die KI-Strategien ihrer Arbeitgeber laut Analyse fast durchgehend negativ. Auch Schreibende, Buchhalter, Beschäftigte im Kundendienst und Journalisten äußern sich überwiegend kritisch. Softwareentwickler sind skeptischer als Softwarearchitekten, obwohl beide Berufsgruppen eng mit digitalen Werkzeugen arbeiten.

Positive Kommentare konzentrieren sich vor allem auf zwei Erfahrungen. Beschäftigte loben entweder Unternehmen, die wirtschaftlich vom KI-Boom profitieren, oder Arbeitgeber, die gute Werkzeuge, Schulungen und Unterstützung bereitstellen. Ein kleinerer Teil der negativen Kommentare kommt zugleich von Menschen, die mehr KI-Angebote fordern und ihren Arbeitgebern ein zu langsames Vorgehen vorwerfen.

Auch zwischen den Geschlechtern zeigt sich eine deutliche Lücke. 45% der KI-Kommentare von Männern sind positiv, bei Frauen sind es 32%. Besonders groß ist der Unterschied in der Generation Z: Nur 21% der Kommentare von Gen-Z-Frauen fallen positiv aus, gegenüber 42% bei Gen-Z-Männern. Glassdoor zufolge lässt sich diese Differenz bei jüngeren Beschäftigten nicht allein durch Branche oder Beruf erklären.

Die Daten beruhen auf freiwilligen Glassdoor-Bewertungen und bilden nicht den gesamten US-Arbeitsmarkt ab. Zudem veröffentlichen unzufriedene Beschäftigte möglicherweise eher eine Bewertung. Der starke Anstieg der KI-Erwähnungen und die sinkende positive Stimmung deuten dennoch darauf hin, dass die Debatte längst nicht mehr nur um Stellenabbau kreist.

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