Unternehmen setzen zunehmend KI-generierte Influencer ein, um echte Kundenerlebnisse in sozialen Medien zu simulieren. Dabei weisen sie Verbraucher in der Regel nicht darauf hin. Sarah Marsh berichtet für The Guardian über eine Recherche, die mehrere Unternehmen identifiziert hat, die KI-generierte Inhalte als nutzergenerierte Inhalte (UGC) ausgeben.
Zu den Beispielen gehört ein Video einer offenbar KI-generierten Braut, die eine Foto-App für ihre Hochzeit lobt. Ein Modeunternehmen aus Dubai löschte Bilder von seiner Social-Media-Seite, nachdem der Guardian nachgefragt hatte. Eines der Bilder zeigte eine Frau mit einem zusätzlichen Finger, ein typisches Zeichen für KI-Generierung.
Keine Pflicht zur Kennzeichnung
Im Vereinigten Königreich gibt es derzeit keine Vorschrift, die Marken verpflichtet, auf den Einsatz KI-generierter Personen in Werbeinhalten hinzuweisen. Die Advertising Standards Authority bestätigte, dass es keine spezifischen Kennzeichnungspflichten für KI-Inhalte gibt. Die Behörde prüft lediglich, ob eine Werbung insgesamt irreführend ist. In der EU wird der AI Act ab August eine Kennzeichnung bestimmter KI-generierter Inhalte vorschreiben. Für das Vereinigte Königreich gilt diese Regelung nicht.
Die Verbraucherorganisation Which? stellte fest, dass 70 Prozent der Menschen echte und gefälschte Videos nicht zuverlässig unterscheiden können. Tech-Redakteurin Lisa Barber forderte Unternehmen dazu auf, transparent zu machen, wenn KI-generierte Influencer in Werbeinhalten auftreten.
Geheimhaltungsverträge verbergen den KI-Einsatz
Clarissa Mansbridge erstellt KI-Influencer-Inhalte für Marken. Sie berichtet dem Guardian, dass viele Ersteller solcher Inhalte Geheimhaltungsverträge unterzeichnen müssen. Mansbridge schätzt, dass 40 bis 60 Prozent der Inhalte einiger großer Marken bereits KI-generiert sind. Für Unternehmen sind vor allem die niedrigeren Kosten attraktiv: Ein traditioneller Fotoshoot kann bis zu 70.000 US-Dollar kosten, während KI-generierte Alternativen deutlich günstiger sind.
Mansbridge beschreibt die Situation als „plausible deniability“, also als bewusst einkalkulierbare Glaubwürdigkeit für Marken, die von authentisch wirkenden Inhalten profitieren wollen, ohne öffentliche Kritik zu riskieren.
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