Der Autor und Unternehmer Tim Ferriss verzeichnet massive Einbrüche bei den Verkaufszahlen seiner Bücher. Auf seinem persönlichen Blog schreibt er, dass der Aufstieg von KI-Chatbots die Hauptursache ist. Als Beleg zieht er BookScan-Daten zu inländischen Printverkäufen heran. Die Zahlen zeigen einen steilen Rückgang, der zeitlich eng mit der Verbreitung großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) wie ChatGPT und Claude zusammenfällt.
Ein nahezu senkrechter Absturz
Ferriss hat fünf Bücher veröffentlicht, allesamt ehemalige Nummer-eins-Bestseller der New York Times oder des Wall Street Journal. Die Printverkäufe entwickelten sich wie folgt im Jahresvergleich:
- 2023: minus 5 Prozent gegenüber 2022
- 2024: minus 13 Prozent
- 2025: minus 46 Prozent
- 2026 (Hochrechnung): minus 57 Prozent gegenüber 2025
Sollte die Hochrechnung zutreffen, würde sein Gesamtkatalog im Jahr 2026 rund 80 Prozent weniger Printexemplare verkaufen als noch 2022. Der Rückgang beschränkt sich nicht auf gedruckte Bücher. Über alle Formate hinweg lag die zweite Jahreshälfte 2025 etwa 45 Prozent unter der ersten Jahreshälfte.
Der breitere Markt zeigt ein ähnliches Bild. Publishers Weekly meldete einen Rückgang der Verkäufe von Sachbüchern für Erwachsene um 9 Prozent im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ratgeberbücher verzeichneten mit minus 26,3 Prozent den stärksten Einbruch aller Unterkategorien. Ferriss zufolge kommen auch die bekanntesten Namen im Ratgeberbereich auf Rückgänge von 40 bis 60 Prozent im Vergleich von 2025 mit dem bisherigen Jahr 2026.
Seine Erklärung ist direkt: Bücher wie seine funktionieren im Kern als Nachschlagewerke und Entscheidungshilfen. 2019 war ein Buch die beste Möglichkeit, solche Informationen abzurufen. Heute greifen Millionen Menschen auf kostenlose KI-Chatbots zurück, die in Sekunden eine personalisierte Antwort liefern.
Ferriss ist überzeugt, dass Ratgeberbücher nur das erste Format sind, das unter Druck gerät. Anleitungsvideos, Ratgeber-Podcasts, Online-Kurse und Newsletter teilen dasselbe Grundversprechen: Wissen von einer Person zur anderen zu übertragen. Er sieht sie alle als gefährdet an.
Einen möglichen Lichtblick sieht er dennoch: sorgfältig aufgebaute Erzählungen und persönliche Transformationsgeschichten könnten einen Wert behalten, den ein Chatbot nicht leicht ersetzen kann. Trotz der düsteren Verkaufszahlen erklärt er, weiterhin lange Bücher für ein kleineres, aber engagiertes Publikum schreiben zu wollen.
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