KI-Agenten werden zum Umsatztreiber für OpenAI und Anthropic

OpenAI und Anthropic scheinen eine entscheidende Schwelle überschritten zu haben: Ihre KI-Programmierwerkzeuge generieren erhebliche Einnahmen. Beide Unternehmen haben ihre Preismodelle leise umgebaut, um davon zu profitieren. Simon Willison schreibt in seinem Blog, dass die beiden führenden KI-Labore nun einen passenden Markt für ihre Produkte gefunden haben. Der Schlüssel dazu sind Unternehmenskunden, die volle API-Preise für sogenannte Agenten-Tools zahlen.

Vom Pauschaltarif zur nutzungsabhängigen Abrechnung

Bis vor Kurzem profitierten Unternehmenskunden beider Anbieter von großzügigen Pauschaltarifen. Anthropics Enterprise-Plan versprach einst „genug Nutzung für einen typischen Arbeitstag.“ Im November 2025 änderte sich das. Anthropic stellte auf ein Modell um, das 20 US-Dollar pro Nutzer und Monat verlangt, zuzüglich voller API-Kosten je nach Nutzung. OpenAI zog im April 2026 nach und richtete die Codex-Preise für alle Unternehmenskonten an den API-Token-Kosten aus. Das gilt auch für Kunden aus Bildung, Gesundheit und dem öffentlichen Sektor.

Der Zeitpunkt ist bedeutsam. Beide Unternehmen veröffentlichten im April 2026 neue, teurere Modelle. OpenAIs GPT-5.5 kostet pro Token doppelt so viel wie sein Vorgänger. Anthropics Opus 4.7 ist unter Berücksichtigung des neuen Tokenizers rund 1,4-mal so teuer wie Opus 4.6. Unternehmenskunden, die Jahresverträge abgeschlossen hatten, verlängern diese nun zu den neuen Konditionen.

Warum Programmierwerkzeuge die Wirtschaftlichkeit verändern

Willison verdeutlicht das Ausmaß der Verschiebung anhand seiner eigenen Nutzungsdaten. Er zahlt monatlich insgesamt 200 US-Dollar für Verbraucherpläne bei beiden Anbietern. Würde er dieselbe Nutzung zu API-Preisen abrechnen, hätte er allein in den vergangenen 30 Tagen 2.180 US-Dollar gezahlt. Für Unternehmen, die diese Werkzeuge über große Entwicklerteams einsetzen, multiplizieren sich die Kosten entsprechend.

Sogenannte Coding Agents verbrauchen deutlich mehr Token als eine gewöhnliche Chat-Konversation. Sie arbeiten eigenständig an komplexen Aufgaben und laufen dabei über längere Zeiträume. Das macht sie teuer im Betrieb, aber auch wertvoll für gut bezahlte Fachkräfte, insbesondere Softwareentwicklerinnen und -entwickler. Anthropics Claude Code und sein verbraucherorientierter Ableger Claude Cowork sowie OpenAIs Codex treiben diese Nachfrage an.

Große Unternehmen spüren den Druck bereits. Uber soll sein KI-Jahresbudget innerhalb weniger Monate im Jahr 2026 ausgeschöpft haben, vor allem durch die Nutzung von Claude Code. Microsoft hat eine Reihe von Claude-Code-Lizenzen vor dem Ende seines Geschäftsjahres am 30. Juni gekündigt, teilweise aus Kostengründen. Willison wertet beide Fälle nicht als Misserfolge, sondern als Beleg dafür, dass die Preise genau dort liegen, wo sie sein sollen: gerade teuer genug, um zu zögern, aber immer noch lohnenswert.

Die Infrastrukturkosten der Labore sind enorm. Aus einem kürzlich veröffentlichten SpaceX-Börsenprospekt geht hervor, dass Anthropic vereinbart hat, bis Mai 2029 monatlich 1,25 Milliarden US-Dollar für Cloud-Rechenkapazität zu zahlen. Das Geld fließt offenbar in die Bereitstellung von Antworten für Nutzer, nicht in das Training neuer Modelle.

Anthropic soll im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 10,9 Milliarden US-Dollar erreichen und möglicherweise erstmals profitabel sein. Beide Unternehmen stellen zudem aggressiv Personal für den Unternehmensvertrieb ein. Rund ein Drittel der 703 offenen Stellen bei OpenAI und etwa 27 Prozent der 390 Stellenangebote bei Anthropic betreffen Vertrieb und Betreuung von Unternehmenskunden.

Beide Unternehmen bereiten Börsengänge vor. Die geprüften Zahlen in den bevorstehenden Börsenprospekten werden erstmals ein klares Bild davon liefern, ob der Umsatzanstieg so substanziell ist, wie die aktuellen Signale vermuten lassen.

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