OpenAI hat mehrere interne Ziele bei Umsatz und Nutzerzahlen verfehlt. Das hat innerhalb des Unternehmens Bedenken ausgelöst, wie die enormen Ausgaben für Rechenzentren finanziert werden sollen. Laut Wall Street Journal hat Finanzchefin Sarah Friar andere Führungskräfte gewarnt, dass OpenAI künftige Verträge für Rechenkapazität möglicherweise nicht bezahlen kann, wenn der Umsatz nicht schnell genug wächst.
OpenAI hatte sich intern zum Ziel gesetzt, bis Ende letzten Jahres eine Milliarde wöchentlich aktive Nutzer für ChatGPT zu erreichen. Dieses Ziel wurde verfehlt. Auch das Jahresziel beim Umsatz wurde nicht erreicht, nachdem Googles Gemini im zweiten Halbjahr deutlich an Marktanteilen gewann. Zusätzlich verlor OpenAI in den ersten Monaten dieses Jahres Boden gegenüber dem Konkurrenten Anthropic, vor allem im Bereich Coding und bei Unternehmenskunden. Auch bei der Haltequote von Abonnenten gibt es laut dem Bericht Probleme.
Der Verwaltungsrat hat darauf reagiert und prüft Rechenzentrumsverträge nun genauer. Finanzchefin Friar und andere Führungskräfte arbeiten daran, Kosten zu kontrollieren und mehr finanzielle Disziplin einzuführen. Das bringt sie laut Journal gelegentlich in Konflikt mit CEO Sam Altman, der weiter aggressiv auf den Ausbau von Rechenkapazität setzt.
OpenAI und Altman widersprechen diesem Bild deutlich. In einer gemeinsamen Erklärung sagten Altman und Friar, sie seien „vollständig einer Meinung, so viel Rechenkapazität wie möglich einzukaufen.“ Jede Andeutung eines Konflikts zwischen den beiden sei „lächerlich.“ Das Unternehmen beschrieb sein Geschäft als „auf allen Zylindern laufend“ und bezeichnete den Bericht des Wall Street Journal als „prime clickbait.“
Hintergrund ist eine grundsätzliche strategische Frage. Altman verfolgte jahrelang die Strategie, so viel Rechenkapazität wie möglich zu sichern, weil er Engpässe als größtes Wachstumshindernis sah. Das führte zu Ausgabenverpflichtungen von rund 600 Milliarden US-Dollar.
OpenAI hat zuletzt 122 Milliarden US-Dollar in einer Finanzierungsrunde eingesammelt. Das Unternehmen erwartet jedoch, diesen Betrag innerhalb von drei Jahren aufzubrauchen, sofern es seine Umsatzziele erreicht. Ein Teil der Finanzierung hängt zudem von bestimmten Partnervereinbarungen ab.
Die Schwierigkeiten kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. OpenAI bereitet einen möglichen Börsengang vor. Friar hat intern darauf hingewiesen, dass das Unternehmen noch nicht die Voraussetzungen erfüllt, die an börsennotierte Unternehmen gestellt werden. Altman soll einen schnelleren Zeitplan bevorzugen. Zusätzlich klafft eine Führungslücke, nachdem die zweithöchste Führungskraft des Unternehmens überraschend krankheitsbedingt ausgefallen ist.
OpenAI verwies auf positive Entwicklungen: Das Coding-Tool Codex wächst, und das neue Modell GPT-5.5 soll mehrere Branchen-Benchmarks übertroffen haben. Gegenüber Investoren betonte OpenAI, mehr Rechenkapazität gesichert zu haben als Anthropic.
Die Aktien mehrerer OpenAI-Partner, darunter SoftBank, Oracle und CoreWeave, fielen nach Veröffentlichung des Berichts.
Quellen: The Wall Street Journal, Bloomberg
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