Anthropic rät Nutzern seines Modells Claude Opus 5.5, Aufgaben klarer zu beschreiben und dem System danach mehr Spielraum zu geben. Die Empfehlungen betreffen vor allem längere Arbeitsaufträge, die Prüfung von Ergebnissen sowie den Umgang mit Dokumenten und Bildern. Addy Osmani schreibt für Anthropic, Opus 5.5 könne mehrstufige Aufgaben länger selbstständig verfolgen und verständlicher berichten, was erledigt wurde oder welche Entscheidung noch fehlt.
Im Mittelpunkt steht eine einfache Regel: Der Auftrag soll das gewünschte Endergebnis eindeutig benennen. Statt ein größeres Vorhaben in viele einzelne Anfragen zu zerlegen, sollten Nutzer ein überprüfbares Ziel formulieren. Ein Redaktionsteam könnte Claude etwa beauftragen, eine Präsentation auf Widersprüche zu prüfen. Erledigt ist die Aufgabe erst, wenn Zahlen, Daten, Namen und Aussagen abgeglichen sind.
Ebenso wichtig ist die Vorgabe, wann Claude nachfragen soll. Das gilt besonders für Claude Code, das Werkzeug des Unternehmens für die Arbeit in Softwareprojekten. Der Grundsatz lässt sich aber auch auf andere Arbeitsabläufe übertragen. Claude kann bei Routineaufgaben weiterarbeiten und nur dann anhalten, wenn eine Entscheidung, Informationen oder eine Freigabe nötig sind.
Konkrete Ziele statt Aufforderungen zum Nachdenken
Anthropic empfiehlt ausdrücklich, Formulierungen wie „denk sorgfältig nach“ oder „denk Schritt für Schritt“ aus Eingaben und gespeicherten Anweisungen zu entfernen. Nach Angaben des Unternehmens denkt Opus 5.5 vor jeder Antwort bereits selbst nach und bestimmt den dafür nötigen Aufwand. Das Weglassen solcher Hinweise könne Antworten schneller starten lassen, ohne dass die Qualität erkennbar sinke.
Bei einfachen Fragen können Nutzer stattdessen direkt um eine knappe Antwort bitten. Davon zu unterscheiden sind Aufforderungen, den internen Gedankengang vollständig offenzulegen. Anthropic zufolge können solche Anfragen abgelehnt werden. Sinnvoller ist es, um eine kurze Begründung für einen Vorschlag oder um die wichtigsten Belege zu bitten.
Auch bei kreativen Aufgaben helfen präzise Vorgaben. Wer eine Webseite, Folie oder ein anderes Gestaltungsergebnis anfordert, sollte nicht nur einen allgemein „nicht austauschbaren“ Stil verlangen. Besser ist es, konkrete Gestaltungsmuster auszuschließen, etwa cremefarbene Hintergründe, kursive Akzentwörter in Überschriften, nummerierte Abschnittsmarken oder Button-Elemente in Pillenform. Nach dem ersten Entwurf lassen sich unerwünschte Entscheidungen gezielt ergänzen.
Originalmaterial hochladen und offene Punkte zuerst lesen
Bei Diagrammen, Screenshots, Tabellen oder Folien empfiehlt Anthropic, die Originaldatei oder das Bild direkt hochzuladen. Zahlen abzutippen ist weniger sinnvoll. Opus 5.5 könne Bildinhalte und räumliche Beziehungen besser erfassen, so das Unternehmen. Dazu gehören etwa Pfeilverbindungen in Schaubildern, Unterschiede zwischen zwei Versionen oder Zeitangaben in Kalenderansichten.
Auch umfangreiche Texte lassen sich auf Unstimmigkeiten prüfen. Nutzer sollten Claude auffordern, jede Fundstelle zu zitieren und ihren Ort im Dokument anzugeben. Bei Rechercheaufträgen empfiehlt Anthropic zudem die klare Bitte, nicht bestätigbare Angaben zu markieren und die verwendeten Quellen oder Suchorte zu nennen. So werden Unsicherheiten vor einer Veröffentlichung sichtbarer.
Nach längeren Arbeitsläufen sollten Nutzer zuerst lesen, was Claude noch benötigt. Das können Entscheidungen, Freigaben oder fehlende Angaben sein. Für Abschlussberichte lässt sich zudem ein festes Schema vorgeben, etwa mit den Punkten „Warte auf Rückmeldung“, „Geändert“ und „Gefunden“.
Anthropic rät außerdem zu einem zusätzlichen Prüfauftrag vor der menschlichen Abnahme. Bei Texten, Änderungen oder Entwürfen sollte Claude nur Probleme nennen, die eine Freigabe tatsächlich verhindern würden. Zu jedem Punkt gehören Fundstelle, Begründung und ein Hinweis, wie sich der Fehler nachweisen lässt. Damit kann die anschließende Prüfung ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigsten Risiken richten.
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