ChatGPT ist weiterhin das meistgenutzte KI-Produkt weltweit. Gleichzeitig wachsen die Konkurrenten schneller als je zuvor. Olivia Moore schreibt für Andreessen Horowitz, dass ChatGPT inzwischen 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer erreicht. Das entspricht mehr als zehn Prozent der Weltbevölkerung.
Trotz dieses Vorsprungs holen Google Gemini und Anthropics Claude auf. Gemini steigerte die Zahl der zahlenden Abonnenten im Jahresvergleich um 258 Prozent. Bei Claude lag das Wachstum bei über 200 Prozent. Rund 20 Prozent der wöchentlichen ChatGPT-Nutzer verwenden in derselben Woche auch Gemini. Viele Nutzer bleiben also nicht bei einer einzigen Plattform.
Die Analyse erweitert in dieser Ausgabe ihre Definition von KI-Produkten. Werkzeuge wie Canva, Notion, CapCut und Grammarly werden nun einbezogen, weil generative KI dort zum Kernbestandteil des Produkts geworden ist. Notion gibt an, dass die Nutzungsrate kostenpflichtiger KI-Funktionen innerhalb eines Jahres von 20 auf über 50 Prozent gestiegen ist. KI-Funktionen machen inzwischen rund die Hälfte des Jahresumsatzes des Unternehmens aus.
Die beiden führenden Plattformen verfolgen unterschiedliche Strategien. OpenAI zielt auf den breiten Massenmarkt. Das Unternehmen hat ein Werbemodell eingeführt und plant eine Funktion namens „Sign in with ChatGPT“. Damit soll ChatGPT zum Standard-Einstiegspunkt ins Internet werden. Das App-Verzeichnis von ChatGPT umfasst mehr als 85 Integrationen in Verbraucherbereichen wie Reisen, Shopping, Ernährung und Gesundheit. Anthropic hingegen konzentriert sich auf erfahrene Nutzer. Die Integrationen von Claude richten sich vor allem an Entwickler sowie an Fachleute aus Finanzen und Wissenschaft.
Geografisch zerfällt der KI-Markt in drei Blöcke. Westliche Produkte teilen sich eine ähnliche Nutzerbasis in den USA, Indien, Brasilien, Großbritannien und Indonesien. China und Russland sind aufgrund politischer Rahmenbedingungen weitgehend vom Zugang zu westlichen KI-Produkten ausgeschlossen. DeepSeek ist das einzige Produkt mit nennenswerten Nutzerzahlen in beiden Bereichen. Ein Pro-Kopf-Index zur KI-Nutzung setzt Singapur an die erste Stelle. Es folgen die Vereinigten Arabischen Emirate, Hongkong und Südkorea. Die USA belegen Platz 20.
Auch bei kreativen Werkzeugen zeichnet sich ein Wandel ab. Eigenständige Bildgeneratoren wie Midjourney haben an Bedeutung verloren, weil ChatGPT und Gemini leistungsfähige Bildgenerierung direkt in ihre Plattformen integriert haben. Im Bereich Videogenerierung zeigen vor allem chinesisch entwickelte Modelle starkes Wachstum. Musik- und Sprachwerkzeuge haben sich besser behaupten können, da die großen Plattformen diese Funktionen noch nicht standardmäßig anbieten.
Als bedeutendsten neuen Trend benennt der Bericht autonome KI-Agenten. OpenClaw ist ein Open-Source-Agent, der sich mit Messaging-Apps verbindet und mehrstufige Aufgaben selbstständig erledigt. Das Projekt wurde zum meistmarkierten Projekt auf GitHub. OpenAI heuerte OpenClaws Entwickler im Februar 2026 an. Manus wurde von Meta für geschätzte zwei Milliarden Dollar gekauft. Genspark meldete einen Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar.
Der Bericht weist darauf hin, dass die gängigen Messmethoden die tatsächliche KI-Nutzung zunehmend unterschätzen. Entwickler, die täglich viele Stunden mit Claude Code arbeiten, und Nutzer, die KI-gestützte Diktierfunktionen einsetzen, tauchen in Standard-Webstatistiken kaum auf. Das tatsächliche Ausmaß der KI-Nutzung dürfte daher deutlich größer sein als die Zahlen vermuten lassen.

