Interview mit OpenAI-Chef Sam Altman über hohe Kosten, Wendepunkte, Jobs und das KI-Wettrennen

OpenAI-Chef Sam Altman hat das Stargate-Rechenzentrum des Unternehmens im amerikanischen Saline, Michigan, besucht und sich dabei über die wachsende Nachfrage nach KI-Rechenleistung, die Zukunft der Arbeit und die Risiken eines globalen KI-Wettrüstens geäußert. David Faber veröffentlicht für CNBC ein exklusiven Interview, das direkt vor Ort geführt wurde.

45 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur

Das Stargate-Projekt in Saline gehört zu den größten KI-Infrastrukturvorhaben weltweit. Allein die Erschließung und der Bau des Geländes kosten 16 Milliarden Dollar. Hinzu kommen laut Altman mindestens 30 Milliarden Dollar für die technische Ausstattung im Inneren. OpenAI ist der Hauptkunde der Anlage.

Auf die Frage, ob eine solche Investition ausreichende Erträge abwerfen könne, zeigte sich Altman zuversichtlich. Er verwies auf stark wachsende Umsätze bei OpenAI und in der gesamten Branche. Die Nachfrage nach Rechenleistung steige schneller, als die Kosten für die Nutzung von KI sinken.

„Wir glauben, dass die Welt noch gar nicht verstanden hat, wie viel KI jede einzelne Person und jedes Unternehmen haben will“, sagte Altman. Er beschrieb ein Szenario, das schon bald Realität werden könnte: KI-Systeme laufen dauerhaft im Hintergrund, beobachten den Kontext des Nutzers und leisten kontinuierliche Unterstützung, anstatt nur auf einzelne Anfragen zu reagieren.

Coding-Modelle als Wendepunkt

Als wichtigsten Treiber des jüngsten Nachfragewachstums nannte Altman Fortschritte bei sogenannten Coding-Modellen, also KI-Systemen, die Programmiercode schreiben und optimieren können. Diese Werkzeuge hätten die Art und Weise, wie Unternehmen Software entwickeln, grundlegend verändert. Der Durchbruch sei Ende 2024 sichtbar geworden und habe sich Anfang 2025 beschleunigt.

Inzwischen nutzten auch Wissenschaftler und Wissensarbeiter jenseits der Softwareentwicklung die Modelle intensiver. Das Wachstum breite sich über verschiedene Branchen aus.

Arbeitsplätze: vorsichtiger Optimismus

Beim Thema Beschäftigung hat Altman seine Einschätzung nach eigener Aussage in eine positivere Richtung korrigiert. Er betonte jedoch, dass er keine endgültigen Antworten habe. Zwei Beobachtungen stützen seine aktualisierte Sicht:

  • Unternehmen, die KI am stärksten einsetzen, stellen auch am meisten ein.
  • Unternehmen, die Stellenabbau mit KI begründen, nutzen KI-Tools oft am wenigsten.

Zudem räumte Altman ein, dass er die Ungleichmäßigkeit der KI-Fähigkeiten unterschätzt habe. Die Modelle seien bei klar abgegrenzten Aufgaben sehr leistungsfähig, versagten aber bei komplexen, langfristigen Aufgaben, die Urteilsvermögen und Aufsicht erfordern. Diese Lücke mache qualifizierte menschliche Arbeitnehmer weiterhin unverzichtbar.

Die Sorgen der Bevölkerung vor dem Verlust von Arbeitsplätzen bezeichnete Altman als berechtigt. Er kritisierte Stimmen in der KI-Branche, die Massenarbeitslosigkeit als unvermeidlich darstellen. Das sei eine „schreckliche Botschaft.“ Die Branche habe es versäumt zu erklären, wie Menschen auch in einer KI-geprägten Welt die Kontrolle über ihre eigene Zukunft behalten können.

Globaler Wettbewerb und seine Grenzen

Beim Thema Konkurrenz mit China unterschied Altman zwischen wirtschaftlichem Wettbewerb und globalen Sicherheitsrisiken. Wirtschaftliche Rivalität sei vertretbar. Bei Fragen wie der Kontrolle über KI-Systeme, Cybersicherheit und Biosicherheit dürfe es jedoch kein Wettrüsten geben. Altman zog einen Vergleich zur Internationalen Atomenergiebehörde, die bei der Regulierung von Atomtechnologie eine koordinierende Rolle spielt.

Zur Konkurrenz unter KI-Unternehmen äußerte sich Altman auch im Hinblick auf den Wettbewerber Anthropic, der offenbar Unterlagen für einen möglichen Börsengang eingereicht hat. OpenAI sei beim Timing des eigenen Börsengangs nicht unter Druck. Er bezeichnete einen IPO als Finanzierungsereignis, nicht als strategische Priorität. Dass OpenAI irgendwann an die Börse gehen werde, bestätigte er.

Den KI-Markt sieht Altman nicht als „Winner takes all“-Markt. Die Welt werde bei so kritischer Infrastruktur mehrere Anbieter verlangen, sagte er.

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