Die Chefs der zwei wertvollsten KI-Unternehmen der Welt führen einen tiefen persönlichen und beruflichen Konflikt. Keach Hagey berichtet für das Wall Street Journal, dass der Streit zwischen OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-Chef Dario Amodei fast ein Jahrzehnt zurückreicht und inzwischen offen ausgetragen wird.
Öffentlich sichtbar wurde der Konflikt Anfang 2026. Anthropic klagte gegen die Trump-Regierung, nachdem das Unternehmen vom Geschäft mit dem Pentagon ausgeschlossen worden war. Altman reagierte mit der Ankündigung, OpenAI habe einen geheimen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium abgeschlossen. Amodei veröffentlichte daraufhin einen internen Slack-Beitrag, in dem er OpenAI als „verlogen“ bezeichnete und Altman ein Muster unehrlichen Verhaltens vorwarf.
Die Wurzeln des Konflikts reichen bis ins Jahr 2016 zurück. Dario Amodei, damals Forscher bei Google, und OpenAI-Mitgründer Greg Brockman bewegten sich im selben sozialen Umfeld in San Francisco. Dario trat Mitte 2016 bei OpenAI ein. Seine Schwester Daniela folgte auf Einladung von Brockman. Schon früh entstanden philosophische Differenzen. Brockman wollte KI-Durchbrüche breit kommunizieren. Dario argumentierte, sensible Entwicklungen sollten zuerst an Regierungen gemeldet werden.
Die internen Spannungen wuchsen über Jahre. Dario leitete die Teams hinter GPT-2 und GPT-3, fühlte sich aber für seine Beiträge zu wenig anerkannt. 2018 verschärfte sich der Unmut, als Brockman und Altman den früheren US-Präsidenten Barack Obama trafen, ohne Dario einzubeziehen. 2020 eskalierte ein Streit im Konferenzraum. Altman warf Dario und Daniela vor, Kollegen dazu gebracht zu haben, negatives Feedback über ihn an den Vorstand weiterzuleiten. Als Daniela einen anderen Manager hinzurief, bestritt dieser jede Kenntnis davon. Altman soll die Aussage dann ebenfalls abgestritten haben. Daraufhin schrien ihn die Geschwister an.
Im gleichen Jahr reichte Brockman harsche Mitarbeiterbeurteilungen über Daniela ein. Er warf ihr vor, ihre Position zu missbrauchen. Altman bezeichnete das Feedback als „hart, aber fair.“ Daniela widersprach in einer ausführlichen Antwort.
Ende 2020 verließen Dario, Daniela und rund ein Dutzend weitere Mitarbeitende OpenAI und gründeten Anthropic. Vor seinem Abgang verfasste Dario ein internes Memo. Darin argumentierte er, ein ideales KI-Unternehmen sollte zu 75 Prozent im öffentlichen Interesse handeln und nur zu 25 Prozent kommerziell ausgerichtet sein.
Anthropic nutzt diese Haltung heute als Markenstrategie. Ein Werbespot beim Super Bowl 2026 kritisierte implizit OpenAI dafür, Werbung in seinen Chatbot einzuführen. Intern wird der Ansatz als Positionierung von Anthropic als „gesunde Alternative“ beschrieben. Amodei soll OpenAI und andere Konkurrenten privat mit Tabakkonzernen verglichen haben, die wissentlich ein schädliches Produkt verkaufen.
Der Konflikt ihrer Gründer geht über das Geschäftliche hinaus. Beim Technologiegipfel in Neu-Delhi im Februar 2026 verweigerten Altman und Amodei den gemeinsamen Händedruck mit dem indischen Premierminister Narendra Modi. Statt die Hände zu heben, berührten sie nur kurz die Ellbogen.
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