Canva setzt mit voller Kraft auf KI, aber ziehen die Nutzer mit?

Canva hat ein großes Update seiner Design-Plattform veröffentlicht und nennt es Canva AI 2.0. Das australische Unternehmen, das mit 42 Milliarden Dollar bewertet wird, beschreibt den Schritt als Wechsel von einer „Design-Plattform mit KI-Tools zu einer KI-Plattform mit Design-Tools.“ Es ist die bisher größte Produktveröffentlichung des Unternehmens.

Der zentrale Unterschied liegt im Einstieg ins Arbeiten. Statt eine Vorlage auszuwählen, beschreiben Nutzer in natürlicher Sprache, was sie brauchen. Wer etwa ein zwölfseitiges Reiseplanungs-Deck anfragt, bekommt es von einem KI-Agenten erstellt. Das Ergebnis ist eine gewöhnliche Canva-Datei, die sich danach manuell bearbeiten lässt. CEO Melanie Perkins bezeichnet diese iterative, bearbeitbare Ausgabe als wesentlichen Unterschied zu einfachen Einmalgenerirungs-Tools.

Das neue System kann externe Quellen wie Slack, Gmail und Google Calendar einbinden, um beim Erstellen von Dokumenten oder Präsentationen Kontext zu liefern. Canva positioniert sich damit als zentrale Plattform für die Produktivität am Arbeitsplatz, nicht nur für Design. Das Unternehmen zählt 265 Millionen monatliche Nutzer und erzielt einen annualisierten Umsatz von 4 Milliarden Dollar, davon 500 Millionen aus Unternehmensverträgen. Der Unternehmensbereich wuchs im vergangenen Jahr um 100 Prozent und ist laut Canva bei 95 Prozent der Fortune-500-Unternehmen vertreten.

Canva hat ein eigenes KI-Forschungsteam mit 100 Personen aufgebaut und ein eigenes Grundlagenmodell speziell für Design entwickelt. Daneben arbeitet das Unternehmen mit OpenAI, Anthropic und Google zusammen und wählt je nach Aufgabe das passende Modell. Ein Tool namens Magic Layers erlaubt es beispielsweise, generierte Bilder in bearbeitbare Ebenen aufzuteilen. Canva zufolge wurde es in den ersten vier Wochen acht Millionen Mal genutzt.

Die KI-Tools funktionieren mit einem Kreditsystem. Kostenlose Nutzer erhalten ein begrenztes Kontingent, zahlende Abonnenten erhalten mehr und Unternehmenskunden erhalten den größten Zugang.

Den ersten einer Million Nutzern des neuen Systems stellt Canva einen KI-Pass im Wert von 100 Dollar pro Monat kostenlos zur Verfügung.

Die Veröffentlichung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Softwareunternehmen weltweit mit Investorenbedenken kämpfen. Die Sorge: KI-Anbieter wie Anthropic könnten ihre Produkte ersetzen. Mitgründer und COO Cliff Obrecht erwartet einen Börsengang und sagte, er wäre überrascht, wenn das Unternehmen nicht bis Ende nächsten Jahres an die Börse ginge. Canva verfügt über mehr als 1 Milliarde Dollar in der Kasse und ist seit 2018 operativ profitabel.

Canva steht zudem im Wettbewerb mit Startups und großen Technologieplattformen. Google hat eigene Design-Tools eingeführt. Meta hat erklärt, Werbetreibenden künftig zu ermöglichen, einfach ein Ziel zu beschreiben und die KI alle kreativen und planerischen Aufgaben übernehmen zu lassen.

Perkins räumte die gemischte öffentliche Stimmung gegenüber KI ein. Sie betonte, dass Canva AI ein eigener Tab im Editor ist und Nutzer, die lieber mit Vorlagen oder manuell arbeiten, die KI-Funktion nicht nutzen müssen.

Quellen: Bloomberg, The Verge

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