Canva stellt Craft vor, sein erstes eigenes KI-Modell zur Bildgenerierung

Canva hat mit Craft sein erstes intern entwickeltes Modell zur Bildgenerierung vorgestellt. Das Modell stammt aus dem Forschungsteam Canva Research und ist über Dream Lab für Canva-Nutzer verfügbar. Entwickler können Craft zudem über die öffentliche API des Unternehmens einsetzen.

Craft richtet sich vor allem an Aufgaben, bei denen herkömmliche Bild-KI oft Schwierigkeiten hat. Dazu zählen klare Layouts, lesbare Schrift, die genaue Platzierung von Objekten sowie Bilder, die später weiterbearbeitet werden sollen. Canva zufolge erzeugt das Modell Bilder mit bis zu 2K-Auflösung und unterstützt mehr als 30 Seitenverhältnisse. Eigene Formate lassen sich ebenfalls festlegen.

Das Modell arbeitet in zwei Schritten. Zunächst wertet ein Planungsmodell die Eingabe aus und erstellt einen Bauplan für das Bild. Dieser Plan umfasst die enthaltenen Elemente, ihre Größe und Position, die visuelle Gewichtung sowie Text, der im Bild erscheinen soll. Anschließend setzt ein eigenes Rendering-Modell diesen Plan in ein fertiges Bild um.

Canva erklärt, dass die Trennung von Planung und Darstellung mehr Kontrolle bei komplexen Bildaufträgen ermöglichen soll. Einzelne Details sollen sich gezielter verändern lassen, ohne das gesamte Bild neu zu gestalten. Auch bei der Darstellung von Schrift verspricht das Unternehmen bessere Ergebnisse. Gerade fehlerhafte oder unperfekte Schrift bleibt bei Bildgeneratoren ein Problem.

Training mit Vorlagen statt nur mit Fotos

Nach Angaben von Canva wurde Craft stärker auf Gestaltungsmaterial als auf Fotografien trainiert. Zum Trainingsbestand gehören Millionen von Vorlagen aus der Canva-Bibliothek. Darunter sind Poster, Präsentationen, Beiträge für soziale Netzwerke, Speisekarten, Infografiken und Layouts mit viel Typografie.

Solche Vorlagen vermitteln dem Modell laut Canva, wie Abstände, Ausrichtung, visuelle Hierarchien sowie das Zusammenspiel von Text und Bild funktionieren. Nach dem Grundtraining habe das Unternehmen Craft mit überwachtem Fine-Tuning und Reinforcement Learning weiterentwickelt. Dabei sei auch das Feedback professioneller Designer eingeflossen.

Canva berichtet, dass Designer und Entwickler mehr als 25.000 Bildpaare im Vergleich mit anderen Modellen bewertet haben. Das Unternehmen verweist außerdem auf Ergebnisse der Plattform DesignArena. Dort schneide Craft besonders bei Porträts, Landschaften, abstrakten Mustern und Produktbildern gut ab.

Prompts können laut Canva in jeder Sprache eingegeben werden. Text innerhalb der erzeugten Bilder soll das Modell in 55 Sprachen erstellen können. Als mögliche Einsatzfelder nennt Canva Marketingmaterialien, Grafiken für soziale Netzwerke, redaktionelle Bilder, Illustrationen, Porträts, Produktdarstellungen und Architekturvisualisierungen.

Bearbeitung und Anbindung an andere Dienste

Ein wichtiger Teil von Can­vas Strategie ist die Verbindung von Bildgenerierung und Bearbeitung. Craft ist für die Zusammenarbeit mit Magic Layers ausgelegt. Diese Funktion zerlegt ein Bild in bearbeitbare Elemente. Canva nutzt dafür nach eigenen Angaben JSON-Grenzrahmen, um Bildbestandteile genauer zu erkennen und schneller freizustellen.

Über die öffentliche API können andere Anbieter Craft in eigene Anwendungen einbinden. Denkbar sind etwa Marketingplattformen, Onlineshops, Werkzeuge für Anzeigen oder Druckdienste. Später soll Craft auch über Can­vas MCP-Server verfügbar sein: Damit könnten KI-Assistenten und automatisierte Arbeitsabläufe Bilder erzeugen, die direkt in einem Canva-Design weiterverwendet werden.

Ivan Mehta berichtet für TechCrunch, dass Canva die Bildgenerierung künftig auch in Chatbots anderer Anbieter unterstützen will, darunter ChatGPT und Gemini. Dem Bericht zufolge haben zudem Fachleute von Leonardo.ai an dem Modell mitgewirkt. Canva hatte das Unternehmen 2024 übernommen.

Canva arbeitet außerdem an zwei schnelleren und kostengünstigeren Varianten namens Craft-fast und Craft-ultrafast. Durch Modelldestillation und eine eigene Inferenz-Engine soll Craft weniger Rechenschritte für die Bildgenerierung benötigen. Einen konkreten Termin für die Veröffentlichung dieser Varianten nennt das Unternehmen noch nicht.

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