Anthropic macht aus Claude Haiku 5.5 einen schnellen Spezialisten für KI-Agenten

Anthropic stellt mit Claude Haiku 5.5 ein neues kompaktes KI-Modell für häufige und klar umrissene Aufgaben vor. Es soll Zusammenfassungen, Klassifizierungen, Datenbankabfragen, Dokumentenrecherchen und Anfragen im Kundensupport bearbeiten. Nach Angaben des Unternehmens ist es das bisher schnellste Modell von Anthropic und das erste Haiku-Modell mit einstellbarem „Denkaufwand“.

Darüber können Entwickler festlegen, wie viel Rechenaufwand das Modell für eine Anfrage einsetzen soll. Eine niedrigere Stufe begünstigt schnelle Antworten und geringere Kosten. Eine höhere Stufe soll bei anspruchsvolleren Aufgaben bessere Ergebnisse ermöglichen. Damit lässt sich das Modell je nach Arbeitsablauf auf Tempo, Qualität oder Kosten ausrichten.

Für Routineaufgaben und Arbeitsteilung mit größeren Modellen

Die Haiku-Reihe war bisher vor allem für kurze und wiederkehrende Aufgaben gedacht. Anthropic erweitert diesen Einsatzbereich nun auf KI-Agenten, die mehrere Schritte ausführen. Haiku 5.5 kann dabei als spezialisierter Teil eines größeren Systems arbeiten. Das Modell kann etwa Informationen in langen Unterlagen suchen, Gesprächskontext verdichten oder eng begrenzte Programmieraufgaben übernehmen. Die anspruchsvollere Planung bleibt bei größeren Modellen wie Sonnet 5.5 oder Opus 5.5.

In den von Anthropic veröffentlichten Tests schneidet Haiku 5.5 deutlich besser ab als Haiku 4.5. Beim Computer-Use-Test OSWorld 2.1 in der Offline-Teilmenge erreicht das neue Modell 72,4 Prozent. Der Vorgänger kam auf 15,7 Prozent. Der Test misst, ob ein KI-Agent einen Computer bedienen und mehrstufige Aufgaben abschließen kann.

Beim Wissensarbeits-Benchmark GDPval-AA v2.1 erreicht Haiku 5.5 laut Anthropic 1.620 Punkte. Haiku 4.5 lag bei 735 Punkten, GPT-6 Luna bei 1.437 Punkten. Sonnet 5.5 bleibt mit 1.840 Punkten vor Haiku. Auch bei Terminal-Bench 4.0, einem Test für komplexe Aufgaben auf der Kommandozeile, liegt Haiku 5.5 mit 39,2 Prozent klar vor Haiku 4.5. Sonnet 5.5 erzielt dort jedoch 70,6 Prozent.

Die Ergebnisse unterstreichen die vorgesehene Rolle des Modells: Haiku 5.5 ist für viele kleine, wiederkehrende Arbeitsschritte gedacht. Für komplexe Programmierung und lange, eigenständig ausgeführte Prozesse empfiehlt Anthropic weiterhin die größeren Modelle.

Neue Preise und Funktionen für Entwickler

Anthropic hat zugleich die Preisstruktur für Haiku angepasst. Für Anfragen mit bis zu 100.000 Tokens kostet Haiku 5.5 0,10 US-Dollar pro Million Eingabe-Tokens und 0,50 US-Dollar pro Million Ausgabe-Tokens. Bei längeren Anfragen liegen die Preise bei 0,50 beziehungsweise 2,50 US-Dollar.

Im Durchschnitt soll Haiku 5.5 rund 75 Prozent weniger kosten als der Vorgänger. Anthropic verweist dabei auf die Nutzungsverteilung und einen überarbeiteten Tokenizer. Zusätzlich halbiert das Unternehmen den Preis für Cache Reads bei Sonnet 5.5. Dadurch sollen viele agentische Arbeitsabläufe mit Sonnet etwa 20 Prozent günstiger werden.

Claude Haiku 5.5 ist über die Claude Platform sowie Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure verfügbar. Auf der Claude Platform lautet die Modellkennung claude-haiku-5-5. Außerdem ergänzt Anthropic seine Python- und TypeScript-SDKs in einer Betaphase um Funktionen für Computer Use und Browser Use.

Für die Cybersicherheit gelten laut Anthropic strengere Schutzvorkehrungen als bei Haiku 4.5. Defensiv ausgerichtete Sicherheitsaufgaben bleiben in einem größeren Umfang möglich als bei Sonnet 5.5. Penetrationstests und andere potenziell missbrauchsanfällige Techniken werden jedoch blockiert.

Quellen

Bleib auf dem Laufenden

KI für Contentprofis: die neuesten Tools, Tipps und Trends. Alle 14 Tage in deine Inbox:

 

Weitere Infos …

Über den Autor

Mehr zum Thema:

×