Künstliche Intelligenz greift zunehmend in alle Schritte der Nachrichtenproduktion ein. Sie unterstützt bei der Recherche, der Prüfung von Aussagen und der Verbreitung von Beiträgen. Seth C. Lewis schreibt für Nieman Lab, dass sein Buch Journalism in the Age of AI, das er mit Rodrigo Zamith und Tomás Dodds verfasst hat, deshalb vor allem auf menschliche Verantwortung setzt.
Die Autoren beschreiben fünf Bereiche, in denen KI den Journalismus bereits verändert: Themenfindung, Quellensuche, Verifikation, Erzählformen und Distribution. Systeme können Behördenunterlagen, soziale Netzwerke und andere Medien auswerten. Sie transkribieren Interviews, durchsuchen Sitzungsprotokolle und helfen bei großen Mengen von Dokumenten.
KI kann auch auf einseitige Auswahl von Quellen hinweisen. Solche Prüfwerkzeuge erkennen etwa, wenn in einem Artikel fast nur Politiker, Unternehmensvertreter oder andere offizielle Stimmen vorkommen. Sie können weitere Fachleute oder betroffene Gruppen vorschlagen. Gleichzeitig liegt darin ein Risiko: Die Systeme finden vor allem Personen, die im Internet gut sichtbar sind. Menschen ohne institutionelle Rolle oder digitale Spuren könnten weiterhin übersehen werden.
Mehr Tempo, aber keine automatische Wahrheit
Beim Faktencheck kann KI Behauptungen aus Videos und Beiträgen erkennen, ähnliche Erzählungen bündeln und mögliche Deepfakes markieren. Das verschafft Redaktionen Zeit, ihre begrenzten Ressourcen gezielter einzusetzen.
Eine Maschine kann jedoch nicht zuverlässig beurteilen, was im jeweiligen Zusammenhang irreführend ist. Besonders schwierig bleiben Fälle mit fehlenden Unterlagen oder nicht erreichbaren Auskunftspersonen. Sprachmodelle können zudem falsche Angaben erzeugen. Redaktionen müssen daher auch Ergebnisse von KI-Werkzeugen prüfen. Lies hier mehr darüber, wie du solche „Halluzinationen“ erkennen und vermeiden kannst.
Für Überschriften, Zusammenfassungen, Übersetzungen und Beiträge für verschiedene Plattformen wird generative KI bereits genutzt. Sie kann auch bei interaktiven Anwendungen helfen. Fälle mit erfundenen Autorenprofilen, falschen Zitaten und fehlerhaften KI-Meldungen zeigen aber die Gefahr für die Glaubwürdigkeit. Die Autoren sehen KI daher als Unterstützung, nicht als Ersatz für journalistisches Urteilsvermögen, Einfühlungsvermögen und Verantwortung.
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