Craig Mod spricht mit Dan Shipper im YouTube-Kanal von Every darüber, wie er seinen kompletten Software-Stack mit KI-Modellen wie Anthropics Claude neu aufgebaut hat, während er beim Schreiben eine klare Grenze zieht.
Mod, bekannt für die Newsletter Roden und Ridgeline sowie Bücher wie Kissa by Kissa, zahlte früher rund 67.000 Dollar im Jahr für Campaign Monitor. Die kommerzielle Newsletter-Software habe ihn überteuert abgerechnet, weil sie doppelte E-Mail-Adressen über mehrere Listen hinweg mitgezählt habe, sagt er. Nachdem er das Tool mit KI-Unterstützung selbst nachgebaut und auf Amazons E-Mail-Infrastruktur umgestellt hat, liegen seine Jahreskosten nun bei etwa 150 Dollar. Er spricht von einem kommenden „goldenen Zeitalter des Tool-Baus“, in dem jeder Software bauen kann, die genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist, statt sich mit Produkten etablierter Anbieter zufriedenzugeben, die seiner Meinung nach „seit einem Jahrzehnt nichts mehr verbessert haben“.
Mod hat dieses Prinzip auch anderswo angewendet. Er baute die Finanzsoftware Quicken für den eigenen Gebrauch neu, schuf mit „The Good Place“ ein privates soziales Netzwerk für seine zahlenden Mitglieder, in dem Beiträge nach einer Woche verschwinden, und entwickelte ein Archivsystem, das seine zeitlich begrenzten Newsletter automatisch sichert.
Rechercheassistent statt Co-Autor
Trotz seiner Begeisterung für KI-gestütztes Programmieren beteuert Mod, dass er KI nie fürs Schreiben einsetzt. Er nutzt sie ausschließlich als Rechercheassistenten: um Quellen zu sammeln, Faktenlücken zu füllen oder kulturelle Sensibilität zu prüfen, wenn er über schwierige Themen schreibt. „Ich will nicht, dass sie das Schreiben berührt“, sagt er. Das Ringen mit den eigenen Sätzen sei genau das, was das Schreiben als Autor ausmache.
Um diese Trennung zu wahren, hält Mod strikte Grenzen zwischen sich und vernetzter Technik. Er nimmt sein Handy nie mit ins Schlafzimmer und verzichtet bis lange nach dem Mittagessen komplett auf das Internet. Zum Schreiben nutzt er einen Laptop mit minimalem Internetzugang, der lediglich Dateien synchronisieren kann. „Sobald ich mein Handy anfasse, spüre ich die chemische Verschiebung“, sagt er und beschreibt damit, wie schnell digitale Ablenkung tiefe Konzentration zerstört.
Skepsis gegenüber KI-Bewusstsein
Mod kritisiert zudem die Tendenz, KI-Systemen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Die Vorstellungen, Menschen könnten mit Chatbots eine Beziehung haben, hält er für psychologisch schädlich. Echte menschliche Verbindung und Schlaf blieben die stärksten Faktoren für Wohlbefinden, KI-Systeme könnten beides nicht ersetzen, so seine Überzeugung.
Für die Zukunft des Schreibens erwartet Mod, dass die Verlagsbranche weiter an Einfluss verliert und Autoren zunehmend ihr eigenes Publikum aufbauen müssen. Er hofft, dass die Welle KI-gebauter Werkzeuge, etwa für Newsletter oder Community-Plattformen, mehr Autoren die Infrastruktur für eine unabhängige Karriere gibt.
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