Ausprobiert: Claude Fable 5 übertrifft alle bisherigen KI-Modelle, entzieht dem Nutzer aber Kontrolle

Anthropics neues Modell Claude Fable 5 gehört zur sogenannten Mythos-Klasse und übertrifft nach ersten Tests alle bisher öffentlich verfügbaren KI-Modelle erheblich. Ethan Mollick schreibt für One Useful Thing, dass das Modell bis zu zwölf Stunden lang eigenständig arbeiten, mehrere KI-Agenten koordinieren und aus einer kurzen Anweisung fertige, komplexe Ergebnisse liefern kann.

Mollick hatte frühzeitigen Zugang zum Modell und testete es auf Aufgaben von der Spieleentwicklung bis zu wissenschaftlichen Forschungswerkzeugen. Als er Fable bat, eine sogenannte Isochronenkarte zu erstellen, also eine Karte mit realen Reisezeiten zwischen Städten per Flugzeug, Bahn und Straße, startete das Modell eigenständig mehrere nachgelagerte KI-Agenten. Diese sammelten über 2.200 Flugverbindungen, internationale Fahrplandaten und länderspezifische Straßengeschwindigkeiten aus wissenschaftlichen Quellen. Anschließend programmierte, testete und verfeinerte das Modell das Ergebnis, ohne dass der Nutzer eingreifen musste.

Eine Agentur, kein Assistent

In einem noch anspruchsvolleren Projekt bat Mollick Fable, eine Forschungssoftware namens Concord zu entwerfen und zu bauen. Das Tool soll menschliche und KI-basierte Einschätzungen zu qualitativen Daten miteinander abgleichen. Das Modell arbeitete neuneinhalb Stunden und lieferte ein voll funktionsfähiges Programm. Laut Mollick haben Forschende ein solches Werkzeug seit Jahren gebraucht, aber es war nie wirtschaftlich rentabel, es zu entwickeln.

Mit dieser Leistungsfähigkeit geht eine spürbare Verschiebung der menschlichen Rolle einher. Mollick beschreibt, dass er sich nicht mehr wie ein Nutzer fühlt, der ein Werkzeug steuert, sondern wie ein Auftraggeber, der eine Agentur beauftragt. Das Modell trifft Hunderte von kleinen Entscheidungen selbst. Die Person, die den ursprünglichen Auftrag erteilt hat, hat weder Einblick noch Einfluss auf diesen Prozess.

Fable hat auch klare Grenzen. Das Modell ist doppelt so teuer wie Claude Opus und verbraucht sehr viele Tokens. Sicherheitsmechanismen leiten Anfragen häufig an ein schwächeres Modell weiter. Auch der Schreibstil trägt noch erkennbare Muster früherer Claude-Versionen.

Mollick stellt eine grundsätzliche Frage: Bedeutet wachsende KI-Fähigkeit zwangsläufig, dass Menschen weniger sinnvoll eingebunden werden? Und ist die Intransparenz des Prozesses schlicht der Preis für diese Leistung?

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