Forscher veröffentlichen „talkie“, ein Sprachmodell auf Basis von Texten aus dem Jahr 1930

Ein neues Sprachmodell namens „talkie“ zeigt, wie künstliche Intelligenz aussieht, wenn sie ausschließlich auf historischen Texten trainiert wird. Das Modell basiert auf 13 Milliarden Parametern und nutzt Daten aus der Zeit um 1930. Seine Antworten verbinden stilistisch überzeugende Texte mit sachlichen Fehlern.

Der offizielle Vorstellungspost beschreibt talkie als eine Art Vintage-KI. Die Ausgaben des Modells spiegeln das Wissen und die Normen einer Welt von vor hundert Jahren wider.

Auf die Bitte, die Geschichte des Kinos zusammenzufassen, liefert talkie eine detaillierte, aber weitgehend erfundene Darstellung. Es verortet die Ursprünge des Films im Jahr 1550 bei einer Figur namens „Baptista Porta“. Echte historische Namen wie Louis Daguerre und die Gebrüder Lumière tauchen auf, werden aber mit erfundenen Ereignissen und falschen Jahreszahlen verknüpft. Die Erfindung des Kinos durch die Lumières, die allgemein auf 1895 datiert wird, verlegt talkie auf das Jahr 1885. Die Forscher beschreiben dieses Muster als typisch für Themen, über die das Modell nur teilweises Wissen verfügt.

Bei Themen, die in seinen Trainingsdaten gut vertreten sind, arbeitet das Modell deutlich zuverlässiger. Auf eine Frage zur korrekten Etikette beim Besuch einer Dame zu Hause liefert talkie präzise und historisch stimmige Ratschläge. Ein Gentleman solle an Wochentagen zwischen zwei und sechs Uhr nachmittags erscheinen, stets seine eigene Visitenkarte hinterlassen und Besuche im Winter auf einmal pro vierzehn Tage beschränken. Ton und Inhalt entsprechen authentischen viktorianischen Benimmbüchern.

Auch bei Humor zeigt talkie ein klares Profil. Auf die Bitte um einen Witz für eine Dinnerparty im England der 1920er-Jahre produziert das Modell einen parlamentarischen Wortwitz über das Ober- und Unterhaus. Eine zweite Anekdote über einen Landedelmann und einen Geistlichen klingt wie ein Beitrag aus dem Satiremagazin Punch.

Die Forscher erkennen ein klares Muster. Bei gut repräsentierten Textsorten wie Benimmbüchern, Humormagazinen und förmlicher Prosa erzeugt das Modell stilistisch konsistente und überzeugende Texte. Bei sachlicher Geschichte hingegen erfindet es plausibel klingende, aber falsche Details.

Das Projekt wirft grundsätzliche Fragen darüber auf, wie Trainingsdaten das Weltbild einer KI prägen. Talkie kennt keine Ereignisse nach 1930. Seine Aussagen zur Kinobranche beziehen sich auf Zahlen aus der Frühzeit des Films. Die sozialen Regeln, die es wiedergibt, gehören längst der Vergangenheit an. Das Modell funktioniert daher weniger wie ein moderner KI-Assistent und mehr wie ein historisches Artefakt.

Mit 13 Milliarden Parametern ist talkie vergleichbar mit vielen verbreiteten Open-Source-Sprachmodellen der Gegenwart. Der direkte Vergleich bleibt jedoch schwierig, da der historische Trainingsdatensatz das Modell grundlegend von modernen Systemen unterscheidet.

Das Projekt ist sowohl ein technisches als auch ein kulturelles Experiment. Es untersucht, was eine KI verinnerlicht, wenn ihr gesamtes Weltbild aus einer Welt stammt, die es nicht mehr gibt.

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