Das Institut für Human-Centered Artificial Intelligence der Stanford University hat seinen AI Index Report 2026 veröffentlicht. Der Bericht gilt als eine der umfangreichsten Analysen zu künstlicher Intelligenz und wertet Daten aus Forschung, Wirtschaft, Politik und öffentlicher Meinung aus.
KI entwickelt sich schneller, als Messverfahren mithalten können
KI-Modelle verbessern sich so rasch, dass die Tests zur Messung ihres Fortschritts nicht mehr Schritt halten. Beim Benchmark „Humanity’s Last Exam“, der bewusst für menschliche Experten konzipiert wurde, legten führende Modelle innerhalb eines Jahres um 30 Prozentpunkte zu. Tests, die für viele Jahre als schwierig gelten sollten, sind innerhalb weniger Monate ausgereizt.
Der Bericht beschreibt dabei ein Phänomen, das Forscher als jagged intelligence bezeichnen. So erzielte Googles Modell Gemini Deep Think bei der Internationalen Mathematik-Olympiade 2025 genug Punkte für eine Goldmedaille. Beim Test ClockBench, der das Ablesen analoger Uhren prüft, lag die Trefferquote des besten Modells jedoch nur bei 50,1 Prozent, verglichen mit 90,1 Prozent bei Menschen. Hohe Leistung in einem Bereich bedeutet also keine verlässliche Leistung in einem anderen.
In Fachbereichen wie Steuerrecht, Hypothekenbearbeitung, Unternehmensfinanzierung und juristischem Denken erzielen Modelle bei strukturierten Bewertungen zwischen 60 und 90 Prozent. Die besten 15 Modelle liegen dabei oft nur 3 Prozentpunkte auseinander. Laut Bericht bleibt hohe Zuverlässigkeit in diesen Bereichen eine erhebliche Herausforderung.
Wer KI entwickelt und was das kostet
Im Jahr 2025 kamen mehr als 90 Prozent aller nennenswerten KI-Modelle aus der Industrie. Gleichzeitig sind die leistungsfähigsten Systeme immer undurchsichtiger geworden. Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Google veröffentlichen für einige ihrer ressourcenintensivsten Modelle keine Angaben mehr zu Trainingsverfahren, Parameterzahlen, Datensatzgrößen oder Trainingsdauer.
Die Umweltkosten dieser Entwicklung steigen. Der Bericht schätzt, dass das Training von Grok 4 rund 72.816 Tonnen CO2-Äquivalent erzeugt hat. Die Leistungskapazität von KI-Rechenzentren beträgt inzwischen 29,6 Gigawatt, vergleichbar mit dem Spitzenbedarf des US-Bundesstaats New York. Sinnvolle Vergleiche, etwa zu anderen Internet- und Cloud-Angeboten, fehlen leider wie so oft.
Die globale KI-Rechenkapazität ist seit 2022 jährlich um das 3,3-Fache gewachsen. Das Unternehmen TSMC in Taiwan fertigt nahezu jeden führenden KI-Chip. Damit hängt die weltweite Hardware-Lieferkette von einer einzigen Fabrik ab. Die USA beherbergen mehr als 5.400 KI-Rechenzentren, mehr als zehnmal so viele wie jedes andere Land.
Investitionen steigen, Arbeitsmarkt verändert sich
Das globale Unternehmens-Investment in KI hat sich 2025 mehr als verdoppelt. Private Investitionen wuchsen um 127,5 Prozent und machen nun 60 Prozent des Gesamtvolumens aus. Die USA investierten privat 23-mal mehr als China, wobei der Bericht darauf hinweist, dass chinesische staatliche Fonds seit dem Jahr 2000 schätzungsweise 184 Milliarden Dollar in KI-Unternehmen gelenkt haben sollen.
Trotz dieser Investitionen liegt die KI-Nutzung unter US-Verbrauchern im globalen Vergleich zurück. Die USA belegen Platz 24 bei der Nutzung von generativer KI mit 28,3 Prozent, während Singapur 61 Prozent und die Vereinigten Arabischen Emirate 54 Prozent erreichen.
Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zeigen sich bereits, wenn auch ungleichmäßig:
- Die Beschäftigung von Softwareentwicklern zwischen 22 und 25 Jahren ist im Vergleich zu 2024 um fast 20 Prozent gesunken.
- Ein Drittel der befragten Unternehmen erwartet, ihren Personalbestand im kommenden Jahr zu reduzieren.
- Großflächige Jobverluste sind in den Gesamtbeschäftigungsdaten (bislang?) nicht sichtbar.
Öffentliche Meinung: Optimismus und Sorge wachsen gleichzeitig
Weltweit sagen 59 Prozent der Befragten, KI-Produkte und -Dienste bieten mehr Vorteile als Nachteile, gegenüber 55 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig geben 52 Prozent an, diese Produkte machten ihnen Angst. Beide Werte steigen gleichzeitig.
Das Vertrauen in staatliche KI-Regulierung unterscheidet sich stark zwischen Ländern. In den USA vertrauen nur 31 Prozent der Befragten darauf, dass ihre Regierung KI verantwortungsvoll reguliert, der niedrigste Wert aller untersuchten Länder. Der globale Durchschnitt liegt bei 54 Prozent. In allen 50 US-Bundesstaaten überwiegt die Sorge, dass KI zu wenig reguliert wird, gegenüber der Sorge vor zu viel Regulierung.
Weltweit vertrauen mehr Menschen der Europäischen Union als den USA oder China, KI wirksam zu regulieren. In einer Umfrage von Pew Research in 25 Ländern äußerten im Median 53 Prozent Vertrauen in die EU, verglichen mit 37 Prozent für die USA und 27 Prozent für China.
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